Leserbriefe : Jeder ist für sich selbst verantwortlich

Zur Berichterstattung über Afghanistan

Sicherlich erscheint ein Rückzug unserer Helfer und Soldaten aus Afghanistan im Hinblick auf unsere Verpflichtung in der Allianz als kaum denkbar, allerdings brauchen wir eine klare Konzeption der weiteren Politik in der Sache.

Wenn es wahr ist, dass die Stammesfürsten und die Taliban sich gemeinsam an den Mohnfeldern, zu denen Rekordernten gemeldet werden, beteiligen, um damit ihre Interessen zu finanzieren und wenn so unsere Helfer und Soldaten die bestehenden Strukturen weiterhin durch Ihre Anwesenheit stützen, wäre jeder Verbleib zum Schaden für die Region, für die europäische und die amerikanische Politik und für uns selbst.

Hier wäre eine „Stabilisierung der Lage“, wie Sie es nennen, völlig fehl am Platze. Gerade das Vertrauen der Afghanen in unser Land muss zu konstruktiven Ergebnissen führen, sonst wird auch dies verlorengehen. Die Politik muss also nicht nur die (schwache) Regierung, sondern auch die Landesfürsten zusammenrufen und sie fragen, ob sie bereit sind, im Sinne der Rauschgiftbekämpfung mit der Isaf zusammenzuarbeiten und die Taliban zu ächten, was sie dazu unternehmen wollen und wie die Kooperation mit unseren Helfern und Soldaten dann aussehen soll.

Nur unter dieser Voraussetzung kann eine Verlängerung der Präsenz unserer Helfer und Soldaten Sinn machen. Denn schließlich ist jedes Land in erster Linie für sich selbst verantwortlich – selbst wenn es die Hoffnungen der eigenen Landsleute sabotiert. Dann nämlich spätestens zeigt sich, was fremdes Engagement wert ist.

Joachim Lund, Berlin-Marienfelde

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