Leserbriefe : Jeder Mensch wird einmal alt

„Die Rentner sind sicher“

von Fabian Leber, Tsp. vom 19. April

Dies ist eines der reichsten Länder der Erde. In ihm findet Wertschöpfung statt wie niemals vorher in seiner Geschichte; es fließen Gewinne so hoch wie niemals vorher und die Vermögen sind angewachsen wie nie zuvor. Trotzdem stellen wir fest: Die jetzige Rentnergeneration nimmt nicht teil an diesem Reichtumszuwachs, in den kommenden Rentnerkohorten droht massive Altersarmut; trotzdem lässt sich der Beitragsanstieg im Grunde nicht bremsen – und die jüngeren Generationen müssen dafür aufkommen, obwohl sie absehbar kaum selbst noch etwas von dem bisherigen Rentensystem haben werden. Alle sind also unzufrieden.

Damit ist eines völlig klar: Das Rentensystem ist so, wie es jetzt konstruiert ist, nicht zukunftsfest. Diesbezügliche Versuche waren gut gemeint, sind aber gescheitert. Auch weil sich die ökonomischen Modelle und theoretischen Berechnungen, an denen sich die damaligen Reformen orientierten, mal wieder, wie in inzwischen so vielen Fällen, als nicht wirklichkeitstauglich erwiesen haben.

Folglich steht die Politik zwingend in der nächsten Legislaturperiode vor der Aufgabe, das Rentensystem noch einmal grundlegend zu überarbeiten. Und zwar in jeder Hinsicht: von der Bereitstellung der finanziellen Mittel bis hin zur „Rentenformel“. Wie dies konkret auszusehen hat, wird sicher streitig zu debattieren sein. Fest steht nur, dass viele Dinge berücksichtigt werden müssen, die das bisherige System ignoriert: Etwa die Tatsache, dass Einkommen aus abhängiger Arbeit tendenziell sinken, andere Einkommensarten aber teils stark steigen. Oder den Fakt, dass 45-jährige ununterbrochene Berufstätigkeit eher kaum noch die Regel sein wird. Den Umstand, dass das Rentenrecht heute gerade „unten“ extrem leistungsfeindlich ausgestaltet ist. Nicht zuletzt die Tatsache, dass private Altersvorsorge von den meisten Bürgern allenfalls ergänzend organisiert werden kann. Und dass „Riester“ gerade jene nicht erreicht, die so etwas am dringendsten bräuchten. Sicher kann man hier noch viele weitere Dinge anfügen.

Fakt ist, dass es – auch – in dieser Frage um weitaus mehr geht als um ein paar „finanzielle Aspekte“ – es geht um den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft. Einer Gesellschaft übrigens, in der jeder Mensch einmal alt wird. Mir scheint, gerade dies wird manchmal und von manchen übersehen.

Ich finde, dass man die Dinge ruhig so klar und deutlich aussprechen sollte. Ohne dass man damit jemandem auf die Füße tritt. Außer jenen natürlich, die diese Debatte unter allen Umständen vermeiden, verhindern wollen. Und die gibt es, ohne jede Frage!

Peter Kubisch, Strausberg

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