Leserbriefe : Jeder sollte für sich Bilanz ziehen

„16 Millionen Seelen / Die DDR war ein Staat, in dem viel Unrecht geschehen ist – kein totaler Unrechtsstaat“

von Lothar Heinke vom 17. April

Danke für diesen differenzierten Artikel, der sich von der vielfach verbreiteten Schwarz-Weiß-Malerei auf eine angenehme und unaufgeregte Weise abgrenzt. Jeder, der in der DDR gelebt hat, hätte längst diese Bilanz für sich persönlich ziehen und sich mit seinen eigenen Erfahrungen auseinandersetzen sollen, unabhängig davon, ob er mit den Dingen und Möglichkeiten zufrieden war, oder ob er an und in diesem Staat gelitten hat.

Rita Dähn, Berlin-Mariendorf

Der Beitrag beeindruckt durch seine nüchterne Empathie. Die Bezeichnung der DDR als Unrechtsstaat ist ja ebenso pauschal und damit falsch wie seinerzeit der Satz „Soldaten sind Mörder“. So wie es damals sinnvoller gewesen wäre, die Juristen und Historiker hätten sich der Frage zugewandt, warum so viele Soldaten zu Mördern wurden und wie man das in Zukunft verhindern kann, sollte man heute der Frage nachgehen, warum von keiner anderen deutschen Regierung, mit Ausnahme der Nazis, so viele Verbrechen geduldet, gefördert und befohlen wurden wie von der DDR-Regierung. Das reichte bekanntlich vom Postraub über Menschenraub, Menschenhandel, Mord, Erpressung, Bestechung, Diebstahl, bis zum Psychoterror und verstieß häufig auch gegen die Gesetze der DDR.

Und was die Stasi betrifft, sollte sich allmählich herumgesprochen haben, dass sie kein Geheimdienst war wie jeder andere, sondern eine terroristische Vereinigung, deren kriminelle Energie die der RAF weit in den Schatten stellte und sehr nahe an Gestapomethoden heranreichte. Wer da mitgemacht hat, wird sich, mit und ohne Gauck und Birthler, sein Leben lang damit moralisch auseinandersetzen müssen.

Dr. Thomas Lennert, Berlin-Zehlendorf

Bemerken Herr Heinke – und viele andere übrigens auch – dass die Frage „Unrechtsstaat DDR“ so nicht erörtert werden kann? Alle Argumente, die er anführt, könnten auch für den Nazistaat gelten? Bei der Bewertung kann es nicht um Schuld, Unschuld, Wohlbefinden oder Drangsalierung einzelner Bürger gehen, sondern ausschließlich um Strukturen und Abläufe des staatlichen Systems. Als Stichpunkte seien nur Gewaltenteilung und Meinungsfreiheit genannt.

Gerd Hauth, Berlin-Hansaviertel

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