Leserbriefe : Jugendliche brauchen notfalls Mauern

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„Für uns ist alles anders geworden“ vom 3. September 2005

Als Familienrichterin im Amtsgericht TempelhofKreuzberg hatte ich mehrfach mit der Frage der Genehmigung von Unterbringungen fehlgeratener Jugendlicher in geschlossenen Heimen zu tun. Diese Genehmigungen waren leider überwiegend nicht zu erteilen, aber nur deshalb nicht, weil die Einweisungen in die hiesigen verfügbaren Heime nicht genehmigungspflichtig waren. Die Heime waren nämlich offen. Nach Antritt der rot-grünen Regierung in Berlin Ende der 80er Jahre war an die Stelle der geschlossenen Heime – wie schön – die Rede von „Menschen statt Mauern“ getreten.

Dass die Kinder und Jugendlichen neben Zuwendung auch Konsequenz und Strenge, also notfalls auch Mauern, und dazu natürlich Menschen brauchten, wurde in falscher Liberalität übersehen. Die Kinder konnten seither aus den Heimen wieder abgehen. Zuvor wurden ihnen manchmal sogar von den zuständigen Sozialarbeitern des Jugendamtes die in Frage stehenden Heime gezeigt, damit sich die jugendlichen Straftäter eines der Heime aussuchen konnten.

Regine Sijbrandij, Berlin-Zehlendorf

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