Leserbriefe : Junge Leute haben Angst

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„Gutes, altes Deutschland“

vom 28. Mai 2006

Dem aktuellen Zeitgeist folgend opfert der Tagesspiegel die Demografie-Problematik der zurzeit herrschenden „Friede- Freude-Eierkuchen-Mentalität“. Besonderen Ausdruck findet diese Problemverdrängungsstrategie in der Auswahl der „Demografie-Zeugen“. Die hierfür ausgewählten Zeitgenossen zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass ihre Altersversorgung stets nicht bzw. nicht ausschließlich aus einer Sozialversicherungsrente besteht. Aus einer derartigen komfortablen Ausgangsposition resultiert zwangsläufig eine optimistische Betrachtungsweise, kann sich dieser Personenkreis doch seinen Lebensabend recht komfortabel gestalten. Hingegen bietet die soziale Plattform eines „Normalrentners“ bis zum sozialverträglichen Ableben keineswegs positive Gestaltungsmöglichkeiten. Eingebettet in immerwährende Nullrunden mit anschließender mehrjähriger Dämpfung der kärglichen Bezüge ist sein Stellenwert in der „alternden Gesellschaft“ keine „offene Geschichte“ sondern eher eine mit garantiert traurigem Ausgang. Ihm bleibt als schwacher Trost die statistisch erwiesene Wahrscheinlichkeit seines früheren Dahinscheidens …

Helmut Schindler,

Berlin-Gesundbrunnen

Sie lassen gutsituierte Menschen zum Thema Beruf und Kinder sprechen. Interessant – aber wo bleiben die Lebensläufe der großen Mehrheit der kleinen Angestellten? Ich war so eine berufstätige Alleinstehende mit Kind und lebe jetzt von meiner Rente recht und schlecht.

Ich möchte es einerseits nicht missen, Mutter und jetzt Großmutter zu sein. Nur: Mit meiner heutigen Erfahrung würde ich wohl kaum nochmal den Mut zu einem Kind haben. Ich würde, wie viele junge Frauen heute, erst mal alles tun, um einen lukrativen Beruf mit Studium zu erlangen. Und ob dann noch ein Kind möglich wäre?

Renate Meier, Berlin-Steglitz

Null Punkte für Ihre Beiträge zur Altersstruktur. Wo waren da die schwach bedachten Rentner aus der ehemaligen DDR? Die haben teils seit ihrem 15. Lebensjahr gearbeitet und jetzt wegen ihrer damaligen geringen Einkünfte gerade mal so viel Rente, dass es für eine Befreiung von der Bezahlung der Rundfunkgebühren zu viel ist.

Jutta und Manfred Berg,

Berlin-Marzahn

Die jungen Leute von heute haben Angst, sich zu binden und gemeinsam Verantwortung füreinander zu tragen. Wenn sie sich dennoch entschließen eine Familie zu gründen, bleibt es meistens bei einer Ein-Kind-Familie. Wenn unsere Vorfahren auch so gedacht hätten, wäre die Welt um vieles ärmer!

Es gäbe keinen Johann Sebastian Bach, von seinen Söhnen ganz zu schweigen, auch Wolfgang Amadeus Mozart wäre nicht da und wir hätten nie Jehudi Menuhin hören können. Die Romane von Thomas Mann und die Dramen von Gerhart Hauptmann gäbe es nicht, kein Charlie Chaplin würde uns entzückt haben, und stellen Sie sich mal unsere heutige Politik ohne Richard von Weizsäcker oder Bernhard Vogel vor, um nur einige Beispiele zu nennen.

Junge Leute, habt mehr Mut zur Familie mit Kindern!

Barbara Erdmann, Berlin-Karlshorst

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