Leserbriefe : Kämpfe im Reichstag dauerten bis zum Mai

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„Der Kampf um Berlin – Das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 60 Jahren (1)“

vom 14. April 2005

Als Zeitzeuge weiß ich, dass der Reichstag am 30. April 1945 nicht erobert wurde. Erst im Schutze der Nacht drangen sowjetische Soldaten in das Gebäude ein, hisste Michail Petrowitsch Minin ohne Widerstand seine rote Fahne auf dem Dach. So entstand die Situation von „Freund und Feind“ im gleichen Haus.

Am 1. Mai folgte dann die Umkehrung der offiziellen Eroberung: Die deutschen Soldaten griffen im Reichstag an und die sowjetischen Soldaten zogen sich aus dem brennenden Gebäude zurück. Bei diesen Kämpfen wurde ich leicht verwundet und erst nach der Kapitulation am Morgen des 2. Mai ging ich vom Reichstag aus in Gefangenschaft. Noch heute frage ich mich: Warum verteilten die Sieger Zigaretten und Streichhölzer, als wir aus dem Keller heraufkamen?

Trotz Klarstellung im Fernsehfilm „Der Reichstag wird 100“ von 1994 hält sich die sowjetische Version von der Eroberung bis hin zum Tagesspiegel. Damals, 1945, konnte man nicht verbreiten, dass dem Symbolgebäude Reichstag keine Soldaten geopfert wurden. In die Geschichte aber sollte eingehen, dass es tatsächlich damals im Reichstag relativ friedlich zuging.

Oskar de la Chevallerie, Berlin-Zehlendorf

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