Leserbriefe : Kann man Feinstaub mit Wasser wegspülen?

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„Feinstaub in der Frankfurter Allee: Senat ist ratlos“ vom 10. Mai 2005 und „Gericht lehnt sofortige Sperrung der Innenstadt für Dieselautos ohne Rußfilter ab“ vom 12. Mai 2005

Dass der Senat in Sachen Feinstaub ratlos ist, glaube ich gerne. Wann ist der Senat schon einmal nicht ratlos?

Eine zumindest teilweise Abhilfe schaffende Lösung ist recht einfach. Staub, auch Feinstaub, kann man mit Wasser niederschlagen. An heißen Tagen, wenn Feinstaub droht, müssten ein paar Sprengwagen der BSR durch die Frankfurter Allee fahren und die Straße spülen. Wenn man das am späten Abend wiederholt, dürfte die Belastung spürbar zurückgehen. Der Feinstaub wird in die Kanalisation gespült und gelangt so ins Klärwerk. Zu finstersten DDR-Zeiten wurden (Ost-)Berlins Hauptstraßen relativ oft gespült.

Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, wurde dafür unter anderem am Betriebshof der Stadtreinigung am Bahnhof Jannowitzbrücke Wasser aus der Spree entnommen. Das kostet nichts, bleibt auf der Kostenseite also lediglich der Strom für das Pumpen.

Überhaupt sollte man wegen einigen zehntausend Euro, die das Straßespülen kostet, nicht allzu lange diskutieren. Die Gesundheit der Berliner sollte uns das wert sein. Und nicht immer die Autofahrer zu Lösungen heranziehen wollen. Wenn keiner fährt, gibt es ganz sicher weniger Feinstaub. Aber in so einer Stadt möchte ich dann nicht leben. Die Senatorin sollte unverzüglich das Spülen der betroffenen Straßen bei hohen Feinstaubwerten anordnen!

Ralf Drescher, Berlin-Lichtenberg

Sehr geehrter Herr Drescher,

natürlich kann ich nicht einschätzen, was in Berlin zur Senkung der Feinstaub-Emissionen getan werden sollte. Doch ich kann Ihnen von unseren Bemühungen in Dortmund berichten. Wir haben Anfang März damit begonnen, einen Straßenabschnitt im Norden der Innenstadt sechs Tage in der Woche nass reinigen zu lassen. Wir nutzen dafür unsere normalen Sprengwagen. Das Wasser wird aufsprengt und läuft über die Rinnen ab; es wird anschließend nicht gekehrt. Auf diese Art und Weise erhoffen wir uns, dass der Staub, der ansonsten durch die Fahrzeuge immer wieder aufgewirbelt wird, wenigstens zum Teil aus dem Kreislauf ausgeschleust wird.

Wir sind darauf gekommen, weil es Prognosen aus Düsseldorf und übrigens auch aus Berlin gibt, dass man mit dieser Maßnahme eine Belastungsreduzierung von bis zu zwei Mikrogramm pro Kubikmeter erreichen kann.

Wir wissen aus anderen Überlegungen, dass man eine Vielzahl von Maßnahmen ergreifen muss, um das komplexe Feinstaub-Problem zu lösen. Zusätzlich zur Reinigung mit Wasser haben wir in dem betreffenden Abschnitt eine so genannte Pförtnerampel installiert. Sie regelt den Verkehrsfluss so, dass es weniger Staus gibt. Die dritte Maßnahme verbietet Lkw über 7,5 Tonnen die Durchfahrt. Dies gilt allerdings im Moment nur für eine Fahrtrichtung.

Wir wollen bis August beobachten, wie sich die Schadstoffbelastung im fraglichen Straßenbereich entwickelt. Natürlich haben wir dort eine Messstation aufgestellt. Wir haben noch verschiedene Maßnahmen in petto: Lkw-Verbot über 3,5 Tonnen, die schärfste wäre ein Fahrverbot für Fahrzeuge ohne Partikelfilter. Hier fehlen uns allerdings noch die entsprechende Rechtsverordnung und ein Plakettensystem, das schadstoffarme Fahrzeuge kennzeichnet.

Neben der Arbeitszeit sind uns vor allem Kosten für die Herstellung und Installation großer Schilder entstanden. Sie stehen in einer klassischen Schlucht, die zwar nur 350 Meter lang ist, doch mit Stop- and-Go-Verkehr stark belastet wird.

Die Bewässerung hat den Vorteil, dass man diese Maßnahme sofort ergreifen kann. Und sie bringt einen Effekt. Wir fangen eben mit einer einfachen Methode an und fahren damit fort, bis wir das Problem gelöst haben. Einen vergleichbaren Versuch gibt es noch in Düsseldorf. Dieses Projekt hat den Vorteil, dass es wissenschaftlich begleitet wird: In Düsseldorf wurde zusätzlich zur Messstation eine kleine Wetterstation installiert. So kann man auch die meterologischen Einflüsse erfassen und in der Gesamtbewertung des Versuches wieder herausfiltern.

Umweltbelastungen durch das Sprengen der Straßen können wir nicht erkennen, die Klärwerke werden dadurch nicht überfordert. Schließlich gelangt ja auch bei jedem normalen Regenguss Feinstaubbelag in die Kanalisation. Den Erfolg unserer Versuche können wir nicht sofort messen: Die Schadstoffbelastung ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Natürlich überlagern sich unsere drei Maßnahmen. Deshalb ist es schwierig, eine Maßnahme als besonders erfolgreich herauszufiltern. Aber das ist auch gar nicht unser Ziel. Das Wichtigste ist, die Feinstaubbelastung zu senken und die Lebensqualität der Menschen zu verbessern.

— Heinrich Bornkessel ist im Umweltamt der Stadt Dortmund für Emissionsschutz zuständig.

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