Leserbriefe : Kanzler Schröder geht es nur um den Machterhalt

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Betrifft: „Die vierte Waffengattung“ im Tagesspiegel vom 29. Januar 2003

Der Kosovokrieg, den Sie in Ihrem Kommentar erwähnen, provoziert im Nachhinein Kritik am Kanzler und seinen Außenminister, die vor zwanzig Jahren die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenrakten mit Demonstrationen, Reden und Parteitagsbeschlüssen bekämpften und dann, als sie 1999 an der Macht saßen, sich am Krieg gegen Jugoslawien beteiligten und heute die Front der europäischen Gegner eines neuen IrakKrieges anführen. In der Friedensfrage, im Grunde die wichtigste Frage überhaupt, haben diese Herren sich um 360 Grad gedreht. Als Wähler kann ich nur sagen, dass dies ein besonderer Beitrag zur Förderung von Politikverdrossenheit in unserem Lande darstellt.

Aber wahrscheinlich geht es Gerd und Joschka gar nicht um die Menschen im Irak oder im Kosovo, sondern nur um ihre Regierungssessel. Im Frühjahr 1999 lagen die Bundestagswahlen ein halbes Jahr zurück. Die CDU/CSU stellte für Schröder eine größere Gefahr dar, als eigene teilweise nicht kriegsbereite Wähler, die ihm die Gefolgschaft verweigern konnten. Also musste er, des Machterhaltes wegen, sich für einen Kriegseinsatz einsetzen.

Anders ist die Situation heute: Im Wahlkampf 2002 musste Herr Schröder sich gegen Herrn Stoiber durchsetzen: Hierzu waren die z.T. pazifistischen Anhänger seiner eigenen Partei unerlässlich, also polemisierte er recht kräftig gegen die Bush-Männer, wurde wiedergewählt und erkannte, dass sich damit Wahlen gewinnen lassen.

Thomas Zschiesche, Stuttgart

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