Leserbriefe : Kapitalismus-Debatte ist zu oberflächlich

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„Die Debatte bewegt sich auf armseligem Niveau“ vom 28. April 2005

Professor Nolte lehnt moralische Argumente gegen den Kapitalismus ab. „Moralische Bindungen und eine Kultur der Wirtschaft“ soll es seiner Ansicht nach aber geben. Was will er uns damit sagen? Man müsste kritische Fragen an den Kapitalismus stellen, so Professor Nolte. Warum tut er’s nicht? Interessant wäre zu erfahren, welche Fragen das denn sein mögen. Gibt es übrigens auch Antworten? Dass die bisherigen Regulierungen unseres marktwirtschaftlichen Systems wegfallen, mag als Zustandsbeschreibung zutreffen – dies sagt freilich nichts darüber aus, wie die nachhaltige Sicherung des gesellschaftlichen Wohlstandes gegenüber dem kurzfristigen ökonomischen Erfolg verteidigt und wie verhindert werden kann, dass die Gewinner der Globalisierung ihre Gewinne auf Kosten der Verlierer einstreichen.

Professor Nolte gehört als Hochschullehrer zweifellos nicht zu den Verlierern der aktuellen Situation. Sein Arbeitsplatz ist mutmaßlich nicht in Gefahr, von billigeren polnischen oder slowakischen Wissenschaftlern übernommen zu werden. Von dieser Position aus aber die Verhältnisse nur achselzuckend zur Kenntnis zu nehmen – ist das nicht auch ein bisschen, nun ja, armselig?

Oliver Kaufhold, Berlin-Wedding

„Müntefering: Marktradikal und asozial“ vom 22. April 2005

Die Kapitalismus-Kritik vom SPD-Chef Müntefering ist nur oberflächlich. Wenn es Franz Müntefering ernst meinen würde mit seiner Antikapitalismus-Debatte, würde er den Sozialismus in Deutschland einführen und das „Grundrecht auf Arbeit“ endlich im Grundgesetz festschreiben. Die knapp fünf Millionen Arbeitslosen hätten dann wieder einen festen Arbeitsplatz und müssten nicht als billige Arbeitskräfte für einen Euro in der Stunde malochen.

Albert Alten, Wernigerode

So langsam merken es auch die Politiker, dass es in Deutschland höchste Zeit ist, die Notbremse zu ziehen. Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hat Recht, wenn er auf den Raubtierkapitalismus und dessen Gefahren aufmerksam macht. Aber es darf nicht nur diskutiert, sondern es muss auch schleunigst gehandelt werden. Wenn wir nicht die Globalisierung einschränken und die Europäische Union reformieren, wird Deutschland nicht mehr zu retten sein, es sei denn, es erscheint wieder ein „neuer Heilsbringer“. Und das wollen wir doch alle nicht, oder?

Jürgen Schulz, Buchholz

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