Leserbriefe : Kein Grund für Verachtung

„Beitrag zur Gelassenheit / Deutschlands Geschichte lief nicht zwangsläufig auf das ,Dritte Reich‘ zu, schreibt Alexander Gauland“ von Arnulf Baring vom 8. Dezember

Bei Lektüre des Satzes: „Zum Beispiel stimmt er Sebastian Haffner zu, Michail Gorbatschow sei die Persönlichkeit in der neuesten Geschichte, die er am meisten verachte“, glaubte ich , nicht richtig zu lesen, kenne ich doch alle drei hier beteiligten Autoren, Haffner, Gauland und Baring, als Männer mit Augenmaß. Umso unverständlicher ist mir diese Bewertung Gorbatschows. Da wagt es nach Jahrzehnten poststalinistischer Unterdrückungspolitik endlich ein Kremlführer, die erstarrte und vom wirtschaftlichen Kollaps bedrohte Sowjetunion behutsam zu demokratisieren, einen menschlichen Sozialismus zu verwirklichen und in der Außenpolitik gegenüber dem Westen auf Verständigung statt auf Konfrontation zu setzen, erhält dafür den Friedensnobelpreis, ermöglicht den Deutschen die Wiedervereinigung und muss dann in der führenden Berliner Zeitung lesen, dass er für diese deutschen Autoren die am meisten verachtete Persönlichkeit der neuesten Geschichte sei!

Ich kann es nicht fassen und lese das mit einer Mischung aus Empörung und Schamgefühl. Wenn ich die drei Autoren nicht so schätzen würde, dann würde ich sagen, wer so urteilt, hat nicht alle Tassen im Schrank. Dass Gorbatschow an der Wirklichkeit gescheitert ist, steht außer Frage, aber das ist doch kein Grund, ihn zu verachten. Auch Obama kann scheitern – wie jeder, der den Mut zur Veränderung aufbringt.

Helmut Grunwald,

Berlin-Charlottenburg

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