Leserbriefe : Keine Ahnung

„,Ich würde Handys an der Schule verbieten‘ / Wie sollen Eltern reagieren, wenn Kinder Pornos gucken und früh Sex haben? Esther Schoonbrood über die hohe Kunst der Aufklärung im Jahr 2009“ vom 3. Mai

Gut, dass das Thema: „Sexualaufklärung und katastrophaler Wissenstand unserer Jugendlichen“ mal breiteren Raum erhält. Schlecht ist, dass auch die Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau, ähnlich wie Pro familia, sich fast ausschließlich um die Mädchen kümmert, die Jungen aber unberücksichtigt lässt. Deren Kenntnisse sind noch schlechter als die der Mädchen.

Nicht nur Schwangerschaften, auch sexuell übertragene Infektionen sowie leicht vermeidbare Fertilitätsstörungen bei Jugendlichen (15 Prozent Impotenz der Jungen und 15 Prozent Unfruchtbarkeit der Mädchen) sind Folge von Unwissenheit, ließen sich vermeiden. Schule versagt total.

Ärztlicher Slogan lautet: „Unsere Jugend ist aufgeklärt – aber ahnungslos“ Beispiele aus einem von mir durchgeführten Test bei ca 600 Gymnasiasten der 9. und 10. Klassen: 60 Prozent wußten nicht, welche zwei Funktionen Hoden oder Eierstöcke haben und was sie schädigen kann. 90 Prozent der Jungen wissen nicht, was man unter sexueller Hygiene versteht („keine Ahnung“) und warum sie für sie selbst und für Mädchen wichtig ist (Papillomaviren). 80 Prozent wissen nicht, wodurch die „Pille“ unsicher wird, oder welche Kriterien bei Anwendung von Kondomen zu beachten sind. 50 Prozent haben „keine Ahnung“, warum Frauen bei uns nicht beschnitten werden dürfen. 40 Prozent wissen nicht, warum unterbrochener Geschlechtsverkehr kein wirksames Verhütungsmittel ist.

Die Reihe lässt sich beliebig fortsetzen. Bei Hauptschülern ist die Katastrophe komplett.

Dr. Christoph Hilsberg, Arzt für Kinder und Jugendliche, Berlin-Lichterfelde

0 Kommentare

Neuester Kommentar