Leserbriefe : Keine Ruhe um die letzte Ruhestätte von Fritz Todt

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„Bezirksamt Mitte genehmigt Grabstein für NaziMinister“ vom 31. August 2004

Wie mir Frau Todt kurz nach dem Krieg erzählte, bat sie wegen der umlaufenden Gerüchte über einen geplanten Absturz der Maschine ihres am 8. Februar 1942 tödlich verunglückten Mannes um eine Vorsprache beim „Führer“. Adolf Hitler sei jedoch selbst eines Nachmittags nach Hintersee gekommen, um ihr und den Kindern mitzuteilen, die Selbstzerstörungseinrichtung der Maschine wäre durch einen Fehler nach dem Start in Aktion getreten und habe den Absturz herbeigeführt. Ihm widersprach Fritz Todt junior, der später als Fliegeroffizier fiel, er könne versichern, das Flugzeug seines Vaters hätte keine Zerstörungseinrichtung gehabt. Ungehalten habe Hitler das Gespräch mit der Feststellung beendet, er hätte beschlossen, dieses Thema werde nicht mehr angeschnitten. Den Tee habe der Chauffeur mit dem mitgebrachten Wasser anstelle der Hausfrau in der Küche bereitet, eine kuriose Facette, die am Rande erwähnt sei.

Die posthume Entlastung Todts im Entnazifizierungsverfahren ist wohl darauf zurückzuführen, dass keiner der Anklagepunkte des Nürnberger Prozesses auf Fritz Todt angewandt werden konnte.

Meinrad von Ow, München

„Zeller verteidigt Gedenkstein für Nazi-

Minister“ vom 2. September 2004

Ich habe mit Bestürzung gelesen, dass das Bezirksamt Mitte der Auseinandersetzung um den Grabstein für den Nazi-Minister Fritz Todt aus dem Weg geht und ihm posthum einen Triumph gönnt. Als geschichtsbewusster Demokrat, der weiß, welches Leid durch die Nationalsozialisten unzähligen Menschen angetan wurde, erschreckt es mich zu sehen, dass man sich hier nicht mit aller Entschiedenheit gegen eine nachträgliche Ehrung zur Wehr setzt.

Zu der im Tagesspiegel angeführten Argumentation der Tochter, niemand dürfe ihren Vater als Nationalsozialisten beschimpfen: Fritz Todt war bereits in den frühen zwanziger Jahren Mitglied der NSDAP, er wurde schon vor der Machtergreifung SA-Mitglied und stieg zu Führungsfunktionen in diesem braunen Trupp auf. Bekannt sind seine begeisterten Bekenntnisse zum Nationalsozialismus vor der Machtergreifung ebenso wie die Worte, die Adolf Hitler anlässlich des Todes von Fritz Todt fand.

Seine „Organisation Todt“ basierte bereits zu seinen Lebzeiten auf der Ausbeutung von Zwangsarbeitern.

Dr. Bernhard Bremberger, Berlin-

Neukölln

„Bezirksamt Mitte genehmigt Grabstein für Nazi-Minister“ vom 31. August 2004

Todt wird von seiner Tochter als honorig charakterisiert. Es gibt Historiker, die behaupten, die Verbrechen der Organisation Todt seien erst unter Todts Nachfolger Speer geschehen. Ungeachtet der Situation, dass es bis heute keine kritische Biografie Todts gibt, teilt die Mehrheit der Historiker, die sich mit der NS-Zeit intensiv beschäftigen, die veröffentlichten Einschätzungen Todts wohl kaum. Ich kann anhand eines konkreten Beispiels die aktive Beteiligung von Fritz Todt an der antijüdischen Politik nachweisen. Der in der Öffentlichkeit unbekannte Fall bezieht sich auf die Zwangsarbeit tausender jüdischer Insassen aus dem Ghetto Lodz beim Reichsautobahnbau, an den „Straßen des Führers“.

Diese Aktion entsprang einer persönlichen Initiative Todts im Oktober 1940, die er mit Hilfe der SS realisierte. Tausende Juden wurden aus dem Ghetto geholt und in diverse extra hierfür eingerichtete Zwangsarbeitslager an der Strecke Berlin-Frankfurt(Oder)-Posen gesteckt, die der Reichsautobahn unterstanden, der wiederum Todt in seiner Funktion als Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen vorstand.

Dr. Wolf Gruner, Historiker, z.Zt. Institut für Zeitgeschichte, Abt. Berlin

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