Leserbriefe : Keine Straßen, keine Autos

„Autobahnstreit bringt Politik in Fahrt / Verkehrsverwaltung sieht Ost-Tangente nicht als Alternative zur A 100 / CDU, FDP und Wirtschaft fordern beide Straßen, Grüne lehnen beide ab“ von Stefan Jacobs vom 31. März

Da werden nicht vorhandene Probleme von heute mit den Mitteln von vorgestern bekämpft. Stau? Also brauchen wir neue Straßen. Und wo kein Stau ist, da wird einfach einer hinbehauptet, und dann kann auch der Bedarf für ein schönes neues Straßenprojekt angemeldet werden. Es wäre interessant zu wissen, wer jemals im Straßenzug Am Tierpark / Treskowallee einen „Dauerstau“ oder wenigstens einen temporären Stau gesehen hat. Tatsächlich behindert nicht einmal der Engpass an der Eisenbahnunterführung in Karlshorst nennenswert den Straßenverkehr. Es ist zu offensichtlich, dass Straßenverkehrsplaner händeringend nach einem neuen Betätigungsfeld suchen, und da ist auch das Naherholungsgebiet Wuhlheide zum Zupflastern und Verlärmen nicht zu schade.

Mit den nun vorgeschlagenen Projekten wird nur wieder einmal erreicht, dass Gebiete, die heute noch leidlich von Verkehrsbelastungen verschont sind, zu neuen Verkehrsproblemgebieten werden – um sich dann wieder neue Straßenprojekte auszudenken. Diese seit nun 60 Jahre währende Spirale sollte endlich aufgelöst werden. Neue Straßen beseitigen keine Probleme, sie schaffen vielmehr stets welche. Gäbe es beispielsweise die Stadtautobahn überhaupt nicht, das Straßenverkehrsaufkommen in Berlin wäre deutlich reduziert, dafür wären Busse und U-Bahnen um ein Vielfaches ausgelastet. Darüber sollte die Senatsverkehrsverwaltung mal nachdenken.

Michael Szczepaniak,

Berlin-Karlshorst

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben