Leserbriefe : Kinder ärmerer Eltern bleiben unter sich

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Betrifft: „Keine Kinder, keine Kosten“ vom 2. September 2003

Sie schreiben auf Ihrer Meinungsseite, dass die von Ihnen so genannten „Besserverdienenden“ noch ein bisschen mehr belastet werden und hierüber ihren Solidarbeitrag zur Chancengleichheit erbringen. Sie vernachlässigen hierbei jedoch, dass eben diese Besserverdienenden der „Mittel und Oberschicht“ bereits über ihre persönliche Einkommensteuerbelastung ihren Beitrag zur Chancengleichheit und Ausstattung der Allgemeinheit mit finanziellen Mitteln beigetragen haben.

Bei einer Entscheidung, ob nach der Geburt eines Kindes wieder eine Berufstätigkeit aufgenommen wird oder nicht, ist es sehr wohl eine realistische Vermutung, dass die Eltern auch in den von Ihnen genannten Kreisen auf das Geld schauen (wenn vielleicht auch nicht zuerst). Es ist bei Betreuungskosten von deutlich über 300 Euro im Monat die Frage zu stellen, ob es noch sinnvoll ist, das Kind in der Kinderkrippe oder später für leicht geringere Monatssätze in den Kindergarten zu geben und selbst wieder eine berufliche Tätigkeit aufzunehmen.

Das gern eingebrachte Argument, dass die Betreuungskosten doch steuerlich geltend gemacht werden können, ist leicht zu entkräften. Zunächst können nur Betreuungskosten über 1548 Euro p.a. steuerlich als Sonderausgaben angesetzt werden. Die darüber hinaus gehenden Kosten sind jedoch bereits bei 1500 Euro jährlich gekappt. Der wesentliche Teil der Kosten ist also tatsächlich aus dem Nettoeinkommen zu erbringen.

Wir haben uns entschieden, dass unser Kind nicht in die Kinderkrippe gehen wird, weil es sich in der Tat nicht rechnet. Sie können davon ausgehen, dass genau das eintreten wird, was Sie am Rande erwähnt haben. In den Kindertagesstätten wird es zu einer Entmischung der sozialen Schichten kommen. Die Kinder von weniger gut Verdienenden werden unter sich bleiben.

Helmut Quast, Zepernick bei Berlin

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