Leserbriefe : Kinder Armer sind wohl unerwünscht

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„Kabinett billigt Elterngeld“

vom 15. Juni 2006

Die Regelungen zum Elterngeld verstoßen in eklatanter Weise gegen die von der Familienministerin viel beschworenen christlichen Grundwerte der Gerechtigkeit und Solidarität mit Armen und Schwächeren. Gut situierte Familien werden mit einer im Vergleich zum Sockelbetrag sechsfach höheren Geldleistung reichlich bedacht, das Erziehungsgeld armer Familien wird um die Hälfte reduziert. Vor dem Hintergrund wachsender Kinderarmut und Chancenungleichheit ist eine solche Verteilung von Leistungen wirklich empörend. Arme Mütter erbringen die gleiche Erziehungsleistung im ersten Lebensjahr ihres Kindes, in der Regel jedoch unter erschwerten Rahmenbedingungen, ohne gut verdienenden Ehepartner, häufig allein erziehend, in beengten Wohnverhältnissen, ohne Haushaltshilfe, Auto und Urlaubsreisen. Armen Frauen wird durch diese neue Regelung signalisiert, dass ihre Kinder unerwünscht und ihre Erziehungsleistungen wertlos sind. Die „klassenhygienische“ Ideologie die diesem, auf Akademikernachwuchs zielenden Gesetz zu Grunde liegt, ist geradezu infam. Jedes Kind sollte dem Staat gleichermaßen willkommen sein, arme Familien bedürfen in besonders starkem Maße der Unterstützung.

Katrin Witte, Berlin-Charlottenburg

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