Leserbriefe : Kinder brauchen Zeit und Zuwendung

„Von der Unfähigkeit zum Mit-Leiden“

von Tissy Bruns vom 15. März

Im Gegensatz zu den aufgeregten plakativen Forderungen nach Metalldetektoren an Schulen, Killerspielverboten, Notrufsäulen in Schulen etc. geht die Autorin dem Problem auf den Grund.

Als ehemalige Lehrerin, Mutter von drei Kindern und Großmutter von sechs Enkeln weiß ich, dass Kinder sehr viel Zeit und Zuwendung brauchen. Erziehung ist Arbeit und macht Mühe und erfordert Geduld, das gilt für Elternhaus und Schule. Keine technische Sicherung und schon gar kein Verbot kann das leisten, was Anteilnahme, Zuhören und Gespräche vermögen, und zwar von klein auf, denn in der Pubertät ist es oft schon zu spät.

Leider wird die Lehrerausbildung diesem Erziehungsgedanken immer noch nicht gerecht. Leistungsdruck fordert und fördert nicht, sondern grenzt aus, ist aber der bequemste Weg, scheinbare Ruhe und Disziplin herzustellen. Schule als wichtiger Ort der Sozialisierung muss viel weitgehender reformiert werden als durch Abschaffung der Hauptschule und Ganztagsbetreuung. Aber das geht nicht zum Nulltarif.

Angela Clemens-Zwirtz, Berlin-Gatow

Ich arbeite mit Jugendlichen und ihren Eltern in oft auch eskalierenden Situationen. Ich bin mehr und mehr überzeugt, dass es nicht darauf ankommt, was wir, die Erwachsenen, tun, sondern wie wir es tun. Wie echt unser Interesse ist, wie vorurteilsfrei und neugierig wir Fragen stellen, wie sehr wir uns darauf konzentrieren, was hilfreich sein könnte, jemanden aus seiner Isolation und seiner Einsamkeit zu führen. Schuldzuweisungen, auch die an die Eltern, beschämen. Beschämung erzwingt Rückzug und treibt tiefer in die Isolation hinein. Dort aber erreichen wir die Menschen nicht mehr.

Mara Stone, Berlin-Prenzlauer Berg

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