Leserbriefe : Kinderbedürfnisse ernst nehmen

„Schlag nach bei Goethe – Gabriele Paulis Vorschlag, Ehen zeitlich zu begrenzen,

findet sich schon in den ,Wahlverwandt-

schaften‘“ vom 25. September

Schlägt man bei Goethe nach, wie es der Autor anrät, und das ist auch wirklich gut so, dann stößt man schon wenige Sätze nach seinem Zitat auf die Bemerkung, dass das Gespräch über eine Ehe auf Zeit „einen strafbaren oder halbstrafbaren Zustand“ behandelt, und es ist kein Zufall, dass gerade eine Frau so empfindet, wenn man „die eheliche Verbindung antastet“, denn bei Goethe sind es bekanntlich die edlen Frauengestalten die sagen was sich ziemt. Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, wenn Politik kabarettistische Ideen aufgreift.

Es ist aber nur eine rhetorische Frage, ob alle Kinder es komisch fänden, wenn Ihre Eltern im Sieben-Jahre-Turnus vor der Scheidung stünden. Als hätten wir nicht schon heute zu viele Trennungstragödien. Konsequent wäre es dann, in Zukunft diesen Ehen auch nur für sieben Jahre Leasing-Kinder zu überlassen. Ein wahrlich zeitgemäßer Gedanke.

Diese Gesellschaft nimmt das Bedürfnis an Verlässlichkeit und Vertrauen von Kindern nicht ernst und wundert sich über die Folgen.

Prof. Dr. Walther Umstätter,

Altlandsberg

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