Leserbriefe : Kinderlose werden zu Unrecht bestraft

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Betrifft: „Pflegereform erst 2005“ vom 16. Juni 2004

Wenn die SPD in diesen Tagen mit Stimmeneinbrüchen bei Wahlen konfrontiert wird, dann liegen die Gründe hierfür nicht darin, dass sie ein „Vermittlungsproblem“ mit ihrer Politik hat – sondern daran, dass die Politik der rotgrünen Bundesregierung eine zutiefst unsoziale Politik ist, die jeglicher Vernunft und sozialer Gerechtigkeit Hohn spricht.

Ein Beispiel gefällig? Drei Tage nach den für die SPD so desaströs verlaufenen Europa- und Landtagswahlen müssen kinderlose Ehepaare, die älter als 23 Jahre sind, aus den Medien erfahren, dass sie statt 0,85 Prozent ihres Bruttoeinkommens ab dem kommenden Jahr 1,1 Prozent in die Pflegeversicherung einzahlen müssen. Bei einem Monatseinkommen von 2000 Euro sind dies fünf Euro monatlich bzw. 60 Euro jährlich mehr, die auf diese Paare zukommen. In diesem Plan gehen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und die SPD-Bundestagsfraktion konform; auch die Grünen haben bereits ihr Einverständnis signalisiert. Meine Frau und ich sind aus medizinischen Gründen ungewollt kinderlos und darauf angewiesen, mit einer teuren künstlichen Befruchtung zumindest zu versuchen, zu eigenen Kindern zu kommen.

Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung werden seit dem 1. Januar dieses Jahres nur noch zu fünfzig Prozent von den Krankenkassen getragen, und so dürfen Betroffene sehen, wie sie das nötige Geld – in der Regel 20000 Euro Eigenanteil – zusammenkriegen. Nicht genug damit, dass der Staat, der doch immer wieder mehr Kinder fordert, auf ungewollt kinderlose Paaren diese immensen Kosten zunehmend abwälzt! Die Politik der Bundesregierung stigmatisiert und diskriminiert solche Paare, die aus medizinischen Gründen ungewollt kinderlos sind, indem sie sie mit all jenen in einen Topf wirft, die tatsächlich aus einer selbstbezogenen Lebensweise heraus keine Kinder haben wollen, und sie schröpft, bis es quietscht.

André und Lisa Hagel, Münster

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