Leserbriefe : Können die Stromkonzerne mit den Preisen machen, was sie wollen?

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„Wie viel zurückfließt“ vom 9. Juni 2006

Wer ernsthaft damit rechnet, dass Vattenfall die Preise senkt, muss schon ausgesprochen blauäugig sein. Ich erinnere daran, dass es noch im Dezember hieß, die Preise bleiben stabil. Im März wurde dann schon die Preiserhöhung für Mai angekündigt und diese mit dem hohen Strompreis an der Leipziger Energiebörse begründet. Dieser ist nun schon seit einiger Zeit gesunken, die Endkundenpreise passt Vattenfall aber nicht an.

Bernd Wolter, Berlin-Hellersdorf

Auch wenn die Bundesnetzagentur Vattenfall jetzt zu einer Senkung der Netzentgelte zwingen will: Dass die Strompreise dauerhaft sinken werden, ist nichts als eine schöne Illusion. Vattenfall hat ja auch schon angekündigt, Beschwerde gegen den Bescheid der Netzagentur einzulegen. Genauso werden es wohl auch die anderen großen Energiekonzerne in Deutschland - Eon, EnBW und RWE - halten, wenn ihnen das Gleiche droht. An echtem Wettbewerb ist diesen Konzernen, die auf dem deutschen Strommarkt de facto ein Oligopol haben, nicht gelegen, weil dies letztlich zu Lasten ihrer Rekordgewinne geht. Und so lange wir Verbraucher keine echte Wahl haben, müssen wir eben zahlen, was verlangt wird. Viel schlimmer ist aber, dass die hohen Energiepreise unsere Wirtschaft belasten und Arbeitsplätze kosten. Besonders die stromintensiven Betriebe sind betroffen und durch die hohen Strompreise massiv in ihrer Existenz bedroht.

Michael Thiele, Berlin-Tempelhof

Sehr geehrter Herr Wolter,

Sehr geehrter Herr Thiele,

sie sagen, Verbraucher haben „keine echte Wahl“. Dem widerspreche ich ganz vehement. Berlin hat den lebhaftesten Stromwettbewerb in Deutschland. Es gibt sehr viele Stromanbieter in unserer Stadt. Sie können jederzeit entscheiden, von wem Sie welchen Strom kaufen möchten. Sie treffen die Wahl, ob Sie umweltfreundlichen Strom aus Berlin beziehen, ob Ihnen Beratung vor Ort wichtig ist oder ob der Preis das alleinige Kriterium ist. Vattenfall Europe Berlin legt großen Wert auf umweltfreundliche Strom- und Wärmeerzeugung und größtmöglichen Kundenservice. Wir betreiben in unserer Stadt nur Kraftwerke, die umweltfreundlich Strom und zugleich Fernwärme erzeugen. Und nennen Sie mir einen anderen Stromanbieter, bei dem Sie in Berlin Haushaltsgeräte von der Espressomaschine bis zum Brotbackautomaten zum Testen ausleihen können und der Ihnen wertvolle Stromspartipps in persönlicher Beratung bietet. Es ist wahr, im Herbst 2005 sagten wir: „Wir halten die Preise über den Jahreswechsel stabil.“ Und genau das hat Vattenfall getan. Während andere Stromversorger zu Jahresbeginn 2006 die Preise erhöhten, profitierten unsere Berliner Privatkunden vier Monate länger von stabilen Preisen. Ein Vorteil für Sie, der sich in Euro und Cent ausrechnen lässt. Die Leipziger Strombörse ist preisbildend in Deutschland. Mehr als 120 Marktteilnehmer kaufen und verkaufen dort Strom - auch wir. Dies gewährleistet größtmögliche Transparenz. Darüber hinaus kann jeder auf der Börsen-Website nachlesen, welche Kraftwerke Vattenfall wann am Netz hat. Wir machen kein Geheimnis daraus, wie sich Strompreise bilden.

Zum Thema Preissenkungen: Wird die Kürzung der Bundesnetzagentur für die Übertragungsnetz-Entgelte von Vattenfall rechtsgültig, geben wir sie selbstverständlich unverzüglich und vollständig an unsere Haushaltskunden weiter. Das haben wir den Berlinern versprochen und dazu stehen wir. Wir müssen uns aber alle im Klaren sein, von welchen Dimensionen wir reden: Der Anteil des Übertragungsnetzes an den Stromkosten beträgt ca. drei Prozent. Die 18-prozentige Kürzung der Bundesnetzagentur schlägt sich auf den Haushaltskundenpreis letztlich nur mit ca. 0,6 Prozent nieder. Zum Vergleich: Der Anteil von Steuern und Abgaben am Berliner Strompreis beträgt zurzeit 43 Prozent. Noch vor fünf Jahren betrug er 16 Prozent – der Staat hat also kräftig an der Preisschraube gedreht.

Wir bedauern, dass unsere Beschwerde gegen den Bescheid der Bundesnetzagentur nicht Ihre Zustimmung findet. Wir haben dafür gute Gründe. So ist es unsere Pflicht, für die Systemzuverlässigkeit und den Stromtransport in unserem Netzbereich zu sorgen. Die damit verbundenen Kosten müssen wir aber auch erwirtschaften können. Zudem brauchen und planen wir im Netzbereich umfangreiche Investitionen. Um weiteren Herausforderungen in der Zukunft nachzukommen, zum Beispiel dem Anschluss von Windparks im Meer an das Stromnetz, muss es möglich sein, die dafür notwendigen Kosten zu decken. Das Vorgehen der Bundesnetzagentur richtet sich unserer Auffassung nach gegen die Interessen der Kunden, die von uns zu Recht eine erstklassig funktionierende Stromversorgung erwarten.

Mit freundlichen Grüßen

— Hans-Jürgen Cramer, Sprecher des Vorstandes Vattenfall Europe Berlin AG & Co. KG

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