Leserbriefe : Können Rentner in Deutschland auch künftig in Würde leben?

Zur Berichterstattung über die Rentenentwicklung in Deutschland

Die Altersarmut droht vielen in diesem Land. Es gibt Prognosen, dass jeder dritte Arbeitnehmer, der nach 2030 in Rente geht, mit seiner Rente nicht mehr auskommen wird. Richtig treffen wird es die jetzt 35- bis 45-Jährigen. Sie werden am längsten arbeiten und die höchsten Beiträge zahlen, aber die geringsten Rentenzahlungen erhalten. Und wie sollen sie privat vorsorgen? Der Zeitraum bis zur Rente ist relativ kurz, die meisten haben sich in ihren jungen Jahren auf die Aussage "Die Rente ist sicher" verlassen. Einkommenssituation und Lebenshaltungskosten hat sich in Deutschland in den letzten Jahren so entwickelt, dass man nicht allzu viel Geld im Monat übrig hat - auch ohne Urlaub. Und betriebliche Vorsorge? Die Zeiten, dass die Arbeitgeber sich in der Beziehung engagieren, sind in diesem Land doch längst vorbei.

Carsten Meyer, Hamburg

Viele ältere Menschen haben heutzutage zu Recht Angst vor der Zukunft. Nullrunden bei den Renten, die Mehrwertsteuererhöhung Anfang des Jahres. Außerdem unaufhaltsam steigende Mieten, Energiekosten und nun noch die steigenden Lebensmittelpreise. All das bedeutet, es bleibt immer weniger Geld fürs tägliche Leben. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Eher drohen noch weitere tiefe Einschnitte für die Rentner. Aber noch düsterer sieht es für die kommenden Rentnergenerationen aus: Den Berufseintritt mit 20 Jahren und durchgehende Beschäftigung bis 65 bzw. 67 findet man kaum noch. Die Erwerbsbiografien werden immer häufiger durch Arbeitslosigkeit unterbrochen. Das heißt, die Renten dieser Generation fallen de facto noch niedriger aus, als die der heutigen Rentner. Und wie soll man privat fürs Alter vorsorgen, wenn man kaum genug Geld hat, um seine Familie über die Runden zu bringen?

Es ist kein Wunder, dass immer weniger Leute zu den Wahlen gehen, wenn uns die Politiker ohnehin so im Stich lassen.

Helmut Thiel, Berlin-Mariendorf

Sehr geehrter Herr Meyer,

sehr geehrter Herr Thiel,

auch angesichts des demografischen Wandels machen sich Menschen Sorgen um ihre Sicherung im Alter, teilweise wird in diesem Zusammenhang auch kritisch über Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung diskutiert. Man muss hier aber ganz deutlich sagen: In der gesetzlichen Rentenversicherung wurde mit zahlreichen Reformen seit Anfang der neunziger Jahre sehr frühzeitig auf diese Entwicklung reagiert, um die Rentenversicherung auch für die zukünftigen Generationen auf eine sichere Basis zu stellen. Auch Dank der gesetzlichen Rentenversicherung ist Armut im Alter in Deutschland heute kein Thema mehr. So beziehen heute nur etwa zwei Prozent der über 65-Jährigen ein Einkommen, das unter dem Sozialhilfesatz liegt. Auch künftig wird die gesetzliche Rente die Mehrzahl der Menschen in Deutschland vor Altersarmut schützen. Ein Versicherter, der sein Erwerbsleben lang sozialversicherungspflichtig beschäftigt war und durchschnittlich verdient hat, erhält auch künftig eine Rente, die ganz deutlich über dem Sozialhilfeniveau liegt.

Die Gefahr von Altersarmut besteht allerdings immer dann, wenn das Erwerbsleben unterbrochen wird, etwa wegen Arbeitslosigkeit oder wenn wenig oder gar keine Beiträge fließen. Deshalb müssen wir dringend darüber nachdenken, ob für Zeiten der Arbeitslosigkeit von der Bundesagentur für Arbeit wieder höhere Beiträge an die Rentenversicherung gezahlt werden, um eine ausreichende Absicherung während Zeiten der Arbeitslosigkeit sicherzustellen. Und wir müssen uns auf den Wandel in der Erwerbswelt und eine Zunahme von sogenannten Patchworkbiografien einstellen. Deshalb mein Vorschlag, nicht nur abhängig Beschäftigte, sondern auch die selbstständig Tätigen in die gesetzliche Rentenversicherung aufzunehmen, soweit sie nicht anderweitig abgesichert sind.

Ein stärkeres Gewicht bei der Lebensstandardsicherung im Alter soll zukünftig der zusätzlichen Alterssicherung zukommen. Die betriebliche und die private Altersvorsorge werden vom Staat etwa im Rahmen der Riesterrente mit einer Reihe von Fördermöglichkeiten unterstützt. Die staatlichen Zulagen machen die Riesterrente auch für diejenigen interessiert, die nur über ein geringes Einkommen verfügen. Unter bestimmten Voraussetzungen reichen schon fünf Euro im Monat aus, um die staatliche Förderung zu bekommen. Als wichtiges Planungsinstrument für die zusätzliche Altersvorsorge dient die Renteninformation, die die Rentenversicherungsträger regelmäßig an die Versicherten versenden. Aus der Renteninformation ist ersichtlich, mit welcher Rente man später rechnen kann.

Die gesetzliche Rentenversicherung hat eine ganze Reihe von Vorteilen, die oft übersehen werden. Sie gewährleistet einheitliche Beitragssätze, bezahlbar für Junge und Alte, Gesunde und Kranke ohne Risikoprüfung. Sie ist mehr als bloße Alterssicherung, schützt bei Invalidität und Hinterbliebenenfall, zahlt Rehaleistungen und etwa die Hälfte des Krankenversicherungsbeitrags der Rentner. Und wir können in der gesetzlichen Rentenversicherung langfristig mit einer positiven Rendite rechnen, auch nach Berechnungen von Wissenschaftlern und der Stiftung Warentest.

Mit freundlichen Grüßen

— Dr. Herbert Rische, Präsident

der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV)

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