Leserbriefe : Komponist Heymann bleibt unvergessen

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„Nicht nur Kant: Berühmte

Königsberger“ vom 3. Juli 2005

Beharrlich verschweigt der Tagesspiegel – und steht damit leider nicht allein – bei der Aufzählung berühmter Königsberger den musikalischen Begründer der Tonfilmoperette, der die Musik zu Filmen wie „Die Drei von der Tankstelle“, „Der Kongreß tanzt“, aber auch – als Exilant – zu Lubitschs „To be or not to be“ oder „Ninotschka“ schrieb. Werner Richard Heymann wurde am 14. 2. 1896 in eine Königsberger jüdische Getreidehändlerfamilie geboren, spielte dort als Zwölfjähriger im Sinfonischen Orchester, kam 1912 nach Berlin, wo er mit Vertonungen von Tucholsky, Klabund, Mehring u. a in den Kabaretts „Schall und Rauch“ und „Die wilde Bühne“ das literarische Kabarettchanson mitbegründete und bis 1933 der erfolgreichste und bekannteste Tonfilmkomponist der Ufa war.

Nicht dass ich meinen Vater neben den Königsberger Kant stellen wollte. Wenn Sie aber in Ihrem Artikel sogar auf Künstler wie Agnes Miegel und ihre „Blut- und Boden-Romantik“ eingehen, schmerzt es, dass der Tagesspiegel das Werk der Nationalsozialisten fortsetzt. Sie trieben den Komponisten von „Ein Freund, ein guter Freund“, „Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder“, „Das ist die Liebe der Matrosen“ nicht nur ins Exil, sondern wollten auch seinen Namen aus dem Gedächtnis der Deutschen löschen – offenbar ist ihnen das bis heute gelungen.

Elisabeth Trautwein-Heymann,

Berlin-Charlottenburg

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