Leserbriefe : Kulturen müssen einander respektieren

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„Schütze meine Tabus und breche die der anderen“ vom 20. Februar 2006

Mama mia! Von „Freiheitspathos“ ist die Rede, davon, dass „einem Katholiken seines Glaubens wegen die Ernennung zum EU-Kommissar“ verweigert wurde, natürlich von Leuten, „die schnell mit Antisemitismusvorwürfen zur Hand sind, wenn von Linken wie Rechten die israelische Politik als friedens- und freiheitsgefährdend charakterisiert wird.“ „Von Linken wie Rechten“ – also eigentlich von allen, nur diese uneinsichtigen „grünen Politiker“ und „Oberfeministinnen“ stellen sich mal wieder an! Versucht da ein christlicher Betonkopf den Streit um die Mohammed-Karikaturen für eigene Zwecke zu instrumentalisieren? Scheint so – zählt er doch fix „Menschenrechte, (den) Holocaust oder die christliche Botschaft“ als gleichrangige Tabus auf. Diese Aufzählung unterschlägt, dass die Menschenrechte oft genug von christlichen Botschaftern mit Füßen getreten wurden und dass überwiegend Christen den Holocaust verantwortet, durchgeführt und abgesegnet haben. Sie ist außerdem intellektuell unredlich, weil die religiöse Überzeugung einiger mit religionsunabhängig proklamierten Rechten aller sowie einem unbestreitbaren und unvergleichbaren historischen Ereignis gleichgesetzt wird. Der Sinn dieser Gleichsetzung folgt dann unmittelbar. Es geht tatsächlich vorrangig um die „christliche Botschaft“, die für das Empfinden des Kommentators leider „am wenigsten tabuisiert wird“, was wiederum „viel mit der angeblichen Aufklärung zu tun“ hat. Zitat: „Denn längst sind bei uns Homosexuelle, Roma oder Farbige besser von der politischen Korrektheit geschützt, als es die geistigen und kulturellen Grundlagen des christlichen Abendlandes sind.“ Auch diese Aufzählung sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen. Schwule, Zigeuner und Neger kann er also eigentlich nicht leiden, der Herr Gauland, aber das darf man ja heute in diesen politisch korrekten Zeiten so nicht mehr sagen. Was das ist? Vor allem eklig.

Manfred Rätzmann, Berlin-Mitte

Aus dem Kommentar kann ich die Quintessenz ziehen: Wenn in relevanten Kreisen unserer Gesellschaft (Politik und Kultur) kein Respekt vor unserer eigenen (christlichen) Kultur herrscht, wie soll diese unsere Gesellschaft dann Respekt für eine fremde Kultur (Islam) aufbringen können? Indem Sie mit gewisser Distanz auf gesellschaftstypische Überzeugungen blicken, entlarven Sie hohe moralische Ansprüche als hohle Etikette. Ich bin begeistert! Sie halten vielen gesellschaftsrelevanten Akteuren, die sich jetzt im Streit um die Mohammed-Karikaturen echauffieren, den Spiegel ihrer Lebenslügen vors Gesicht!

Ralph Bombosch, Berlin-Zehlendorf

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