Leserbriefe : KURZ & BÜNDIG

AUSSENPOLITIK I

„Heute ein König“ vom 13. November

Der ironische Unterton des Kommentars ist in der Sache verfehlt. Vielmehr ist der spanische König ein Vorbild, wenn es darum geht, frühere demokratisch gewählte Regierungsmitglieder gegen Ausfälle von Diktatoren zu verteidigen. Ganz anders der frühere Bundeskanzler, der noch zu Amtszeiten von einem der größten Staatskonzerne weltweit mit einem lukrativen Posten geködert wurde: Dieser hatte nichts besseres zu tun, als seine demokratisch legitimierte Nachfolgerin wegen des Empfangs eines Gastes (Dalai Lama) ausgerechnet in dem Land zu kritisieren, das dessen Landsleute seit nunmehr 57 Jahren gewaltsam unterdrückt. Welch ein Unterschied!

Christian Koch, Berlin-Pankow

AUSSENPOLITIK II

„Schröder kanzelt Merkel ab“ vom 10. Nov. Angela Merkel hat den Dalai Lama zu einem Privatbesuch empfangen und damit nach Meinung von Gerhard Schröder „die Gefühle des chinesischen Volkes verletzt" (meint er die Gefühle des Volkes oder die Gefühle der Regierenden?). Schröder mahnt auch den „Respekt für die Souveränität und die territoriale Integrität Chinas" an. So wird der Grundsatz der „Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten eines Staates" in dessen Recht umgedeutet, mit seinen Untertanen zu machen, was er will. Eher könnte man es schon als chinesische Einmischung in die inneren Angelegenheiten Deutschlands interpretieren, wenn man dort Angela Merkel vorschreiben will, wen sie empfangen darf.

Dr. Kurt Hauschild, Berlin-Karow

SPAREN

„Der Preis der Musik“ vom 14. November

Dieser Irrwitz ist der Buchhaltermentalität unseres Finanzsenators geschuldet: Die Bezirke sollen sparen. Sie entlassen fest angestellte Musiklehrer und betreiben ihre Musikschulen mit schlechter bezahlten Honorarkräften. Und die Entlassenen? Ihnen wird im Stellenpool des Landes Untätigkeit bei voller Bezahlung verordnet. Das ist pädagogisch und menschlich verantwortungslos, finanzpolitisch nicht zu fassen. Zugleich will der Bund seinen mühsam ausgeglichenen Haushalt 2008 wieder aufgeben: Zugunsten der Unternehmenssteuerreform verzichtet die große Koalition auf vermutlich sechs Milliarden für die Haushalte des Bundes und der Länder. Das ist undemokratische Interessenpolitik.

Fro Tinnappel, Berlin-Zehlendorf

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