Leserbriefe :  KURZ & BÜNDIG 

ÜBER GEBÜHR

„Mehr Arztbesuche – trotz Praxisgebühr“

von Carsten Brönstrup und Anna Sauerbrey vom 20. Januar

Sie schreiben unter anderem, dass Kassenpatienten trotz Praxisgebühr im Schnitt 18 Mal pro Jahr einen Mediziner aufsuchen. Meine Frau und ich suchen die Praxis unserer Ärzte meist nur einmal pro Quartal auf, weil wir jeder ein Rezept für ein Medikament benötigen. Dafür zahlen wir jedes Mal zehn Euro Praxisgebühr, obwohl keine Untersuchung durch den Arzt stattfindet. Die verschriebene Menge reicht immer gerade für ein Quartal. Die Zuzahlung für die Medikamente kommt noch zur Praxisgebühr hinzu.

Auch die früher übliche Zusendung eines Rezepts per Post durch die Sprechstundenhilfen nach telefonischer Bitte darum, wird seit Einführung der Praxisgebühr generell abgelehnt. Für Menschen mit Gehbehinderung bzw. in den Fällen, in denen der Arzt weiter entfernt vom Patienten seine Praxis hat, auch eine Erschwernis, die die Patienten dieser glorreichen Idee der Praxisgebühr verdanken.

Wolf Kirsten, Berlin-Britz

INNERER KOMPASS

„Ein Jahr Obama / Messias als Mechaniker“ von Christoph von Marschall

vom 18. Januar

Ob man einen „Messias als Mechaniker“ am Werk sieht, oder den faszinierendsten Politiker der Gegenwartdas läuft in diesem Fall wohl auf eines hinaus: Obama ist ein Realpolitiker mit innerem Kompass, dem es auch nicht an der Fähigkeit und Beharrlichkeit fehlt, sich gegen Widerstände einen Weg zu bahnen. Seine Wahl hatte etwas Erlösendes – nahezu weltweit. Es steht zu hoffen, dass dieser Impuls ihm auch über alle Launen der Tagesdemoskopie hinweg in der künftigen Amtsausübung erhalten bleibt. Denn einen Besseren werden wir gewiss nicht bekommen!

Karsten Unger, Berlin-Heiligensee

OHNE NACHHALTIGKEIT

„Kulturhauptstadt Ruhr / Herzliche Rivalität“ von Bernhard Schulz vom 17. Januar

Wo sollen auch „die fehlenden nachhaltigen Wirkungen aus den Kulturhauptstadttiteln der letzten 25 Jahre“ herkommen, wie Bernhard Schulz zu Recht fragt, wenn der Wert des Titels meist in der Anzahl der Hotelübernachtungen gemessen wird? Es verhält sich auch hier halt nicht viel anders, wie mit den Festspielhäusern, die schon immer der natürliche Feind des Theaters waren – eine Saison lang viel Leben.

Auch wenn ich als bildender Künstler das vielleicht fragwürdige Glück habe, im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres in einer ehemaligen Zeche in Essen eine Ausstellung veranstalten zu können, das Resultat des Ganzen wird erst 2011 vorliegen, solange bleiben die Messer der Kulturkürzungen auf jeden Fall stumpf.

Zu befürchten bleibt aber, dass alles auf Musealisierung und Historisierung hinauslaufen wird.

Michael Mohr, Köln

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