Leserbriefe : KURZ & BÜNDIG

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NACHRUFE

Als häufiger Leser des Tagesspiegels ist es mir ein Bedürfnis, Sie zu der glänzend aufgemachten und stilistisch beeindruckenden Seite „Nachrufe“ zu beglückwünschen – ein journalistisches Meisterstück. Endlich mal eine Rubrik, die Neues bietet.

Hartmut Gerlach , Mannheim

MATTHES

„Harald Schmidt ist Hygiene für die Seele“ vom 14. November 2004

Das Interview mit dem eindrucksvollen Schauspieler Ulrich Matthes erinnerte uns ältere Leser freudig seines Vaters. Als Chefredakteur mit der täglichen „-thes“-Kolumne war er ein Markenzeichen des Tagesspiegels und trug wesentlich zur Geistesbildung in der Stadt bei.

Joachim Moeller, Berlin-Friedenau

WOWEREIT

„Der Reisebericht des Regierenden“ vom 24. November 2004

Sind wir denn nun in einer offenen und toleranten Weltstadt oder im hintersten „Kuhdorf“? Ein bisschen Lebensfreude hat doch noch keinem geschadet, oder? Macht man dann seine Arbeit nicht umso lieber? Wir jedenfalls freuen uns, dass wir so einen charmanten, selbstironischen Bürgermeister haben. Machen Sie ruhig weiter so, Herr Wowereit.

Gudrun Brenner und Charlotte Kozlowski, Berlin-Wedding

Der Tagesspiegel nimmt sich des ersten Repräsentanten Berlins an. „Das ist auch gut so!“ Vielleicht sollte das auch der Protokollchef des Landes Berlin tun und/oder der Vorsitzende der SPD. Klaus Wowereit bekleidet ein öffentliches Amt. Das Berliner Parlament hat den SPD-Abgeordneten in dieses Amt gewählt. Klaus Wowereit ist damit nicht nur Klaus Wowereit, sondern eine öffentliche Person.

Quod licet bovi, non licet lovi!

Klaus Wowereit kann tun und lassen, was er will – solange es ihm Spaß macht und er dabei nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommt. Der Herr Regierende Bürgermeister hat nicht mehr in erster Linie ein Recht auf seine gute Laune, sondern die Pflicht, sein Amt so auszuüben, dass niemand den Kopf über ihn schütteln müsste.

Die Stadt Berlin tut ihrer Bringschuld Genüge und stattet den Regierenden Bürgermeister mit manchen Vorzügen aus. Auch das ist gut so. Allerdings dürfen die Bürger als seine Antwort erwarten, dass er pubertäres Gehabe und die Allüren eines Duodezfürsten ablegt.

Gerhard Hoffmann, Petershagen/Eggersdorf

HOCHHÄUSER

„Groß und klein“ vom 24. November 2004

In dem Kulturbeitrag von Bernhard Schulz wird unter anderem von einem „ökologischen“, energiesparenden Hochhaus gesprochen. Hierzu sei gesagt, das Hochhaus ist immer besonders umweltschädlich. Seine Bauweise ist immer besonders teuer und unwirtschaftlich und rechtfertigt sich allenfalls durch teuren Baugrund und das Imponiergehabe dort ansässiger Firmen. Das maßlos Extreme imponiert – daher wohl die „glänzenden Augen“ derer, die die Skyline amerikanischer Großstädte bewundern. Die Flächenausbeute ist wegen der Treppenanlagen und Wege-Flächen geradezu lächerlich. Will die Welt weiter bestehen, hilft nur etwas mehr Bescheidenheit. Babylon und die Saurier konnten das noch nicht wissen.

Ludolf v. Walthausen, Architekt, Berlin-Dahlem

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