Leserbriefe : KURZ & BÜNDIG

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LEO BAECK

„Versuch einer Rückkehr“

vom 10. Oktober 2005

In dem Artikel über eine mögliche Umbettung der sterblichen Überreste von Rabbiner Leo Baeck von London nach Berlin werde ich als Unterstützer dieser Idee ins Feld geführt. Diesem Eindruck möchte ich nachdrücklich entgegentreten. Zunächst sprachen religionsgesetzliche Argumente gegen eine solche Initiative eines Einzelnen, die Totenruhe ohne große Not zu stören. Ich bin sehr überrascht, dass nun über die Medien versucht wird, einen Gedanken zu verfolgen, der ferner nicht liegen könnte. Wieso sollte das Grab Leo Baecks in ein Land verlagert werden, das dem liberalen Judentum heute so wenig Achtung und Wertschätzung entgegenbringt wie Deutschland?

Rabbiner Dr. Walter Homolka,

Berlin-Wilmersdorf

MARGARET THATCHER

„Die Queen der Politik“

vom 13. Oktober 2005

Dass ein Artikel über Margaret Thatcher zu ihrem Geburtstag in einer Tageszeitung eine Würdigung sein muss, ist verständlich. Es ist jedoch nicht verständlich, warum mit keinem Wort erwähnt wird, dass Thatcher das britische Gesundheitssystem ruiniert hat. Dafür erfährt der Leser etwas über Thatchers Gesundheitszustand. Ein paar Worte über die häufig kritisierte Gesundheitspolitik wären hier angebracht und dringend nötig gewesen. Selbstverständlich muss sich Frau Thatcher über die britische Gesundheitspolitik keine Sorgen mehr machen. Dass Eigenleistung vor staatlichem Schutz kommt, ist keineswegs eine Grundwahrheit, sondern Eckpfeiler neoliberaler Ideologie.

Katharina Steinberg,

Berlin-Prenzlauer Berg

PRENZLAUER BERG

„Was machen wir heute? Opposition“ vom 12. Oktober 2005

Der Artikel von Robert Ide sprach mir aus der Seele. Der Architekturmaler, der regelmäßig vor der Gethsemanekirche seine Bilder verkauft, will auch aus Prenzlberg wegziehen. Die Kastanienallee ist zur Castingallee verkommen, und ich ärgere mich auch über den Provinzmuff der genannten Fußballkneipe.

Zu den letzten Fluchtorten des guten Geschmacks würde ich noch die kleine Galerie „Ausser Konkurrenz“ in der Greifenhagener Straße zählen.

Übrigens: Das Prime Time Theater bei uns im Wedding lässt – auch zur Freude der Besucher von jenseits der Böse-Brücke – seit Monaten mit großem Erfolg den „Prenzlwichser“ auftreten. Die haben wahrscheinlich die Ibizisierung des Prenzlberg vorausgesehen.

Thomas Gärtner, Berlin-Wedding

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