Leserbriefe : Lasst den König endlich in Frieden ruhen

„König der Schmerzen“

von Deike Diening vom 6. Dezember

Vor mehr als 20 Jahren war ich in meiner damaligen beruflichen Position als Präsident der Verwaltung des Herzogs von Bayern u. a. intensiv mit dem Tod König Ludwig II. von Bayern befasst. 1986 jährte sich der Tod König Ludwigs II. von Bayern zum 100. Mal, und neben zahllosen Gedenkveranstaltungen war auch eine Fülle von Publikationen zu erwarten. Schon im Vorfeld wurde daher eine Studie der Todesumstände in Auftrag gegeben, die später in Buchform veröffentlicht wurde. Die Studie erbrachte zunächst das unerwartete Ergebnis, dass unmittelbar nach dem Tod des Königs und seines Arztes sämtliche zuständigen bayerischen Behörden ordnungsgemäß mit der Sache befasst wurden, dass alle von diesen erstellten Berichte erhalten sind, auch offenkundig nicht manipuliert wurden und dass diese Berichte komplett seit damals in gedruckter Form vorliegen.

Zum Tatbestand selbst erbrachte die Studie das eindeutige Ergebnis, dass der Arzt durch die Hand des Königs ums Leben kam – dies war allerdings nicht Mord, sondern Körperverletzung mit Todesfolge. Der König selbst handelte ohne jeden Zweifel in suizidaler Absicht und starb mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durch selbst herbeigeführtes Ersticken im Wasser. Die Wassertiefe spielt dabei überhaupt keine Rolle. Die einzige Unsicherheit ist eine theoretische und nie mehr aufzuklärende: der König könnte in dem Moment, an dem er ins Wasser ging, einen tödlichen Herzinfarkt erlitten haben.

Alle übrigen Spekulationen, von der Fluchtkutsche über den zerschossenen Mantel bis zu Bismarcks Mordabsichten, konnten in der Studie eindeutig und abschließend widerlegt werden.

Angebliche Indizien für einen Mord auf einem gemalten Bild von einem Künstler, der nachweislich weder Augenzeuge war noch den Leichnam unpräpariert gesehen hat und dem es auch gar nicht darum ging, Hinweise auf die Todesursache zu vermitteln, können die Beweiskette der sofortigen Untersuchung ebenso wie der späteren Prüfung nicht erschüttern. Dem König aber könnte man aber nichts Besseres antun, als ihn endlich in Frieden ruhen zu lassen.

Rupert Graf Strachwitz, Berlin-Mitte

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