Leserbriefe : Lasst uns gemeinsam schauen

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Berichterstattung zum Bode-Museum

Den Berliner Kunstmäzen James Simon zu ehren, nach ihm einen Platz oder eine Straße der Mitte Berlins zu benennen, ist längst überfällig. Seine zahlreichen Schenkungen für die Berliner Museen und ganz besonders für das Bode-Museum sprechen seit langem dafür. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass James Simon auch ein großer „Gönner und Geber – kein Sponsor“ (W. Büscher) in sozialen und karitativen Belangen war. So hat er in den Jahren um 1900 aus seinem privaten Vermögen als erfolgreicher Textilunternehmer viel Geld für die Errichtung von Krankenhäusern, Volksbädern für Arme und für Kinder- und Waisenheime gegeben. Eine seiner so geförderten Einrichtungen, das ehemalige „Haus Kinderschutz“ in der Zehlendorfer Claszeile, ist in diesem Monat 100 Jahre alt geworden. Diente das von den renommierten Architekten Cremer & Wolffenstein konzipierte Gebäude damals dem „Verein zum Schutze der Kinder vor Ausbeutung und Misshandlung“, einem Verein, dem James Simon und sein Freund Franz von Mendelssohn einige Jahre vorstanden, so beherbergt es heute den Schulhort der benachbarten Süd-Grundschule. Wahrlich ein Mäzen im besten Sinne des Wortes beziehungsweise der Taten. Ehre seinem Andenken.

Michael Joachim, Berlin-Zehlendorf

Worin liegt die Faszination dieses halbrunden Baukörpers an der Spitze des dreieckigen Grundrisses des Bode-Museums, der wie ein Bollwerk dem Wasser der Spree trotzt und dennoch die Besucher einlädt, ja fast magisch anzieht? Der mit der Kuppel bekrönte Zentralraum strahlt offenbar auch über die begrenzenden Wände hinaus. Sein Faszinosum ist, ähnlich wie etwa beim Zentralbau des Pantheon in Rom oder des Guggenheim-Museums in New York, von suggestiver, weil zentripetaler Kraft. Wir werden zum Zusammenkommen aufgefordert, also emotional angesprochen: Lasst uns gemeinsam schauen. Was für einen Kontrast stellen dagegen die kantigen und „traufkantigen“ von baulichem Schematismus und Monotonie geprägten Berliner Neubauten dar.

Elke Wisniewski, Berlin-Zehlendorf

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