Leserbriefe : Lieber ein trickreicher Politiker als ein ideenloser

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Betrifft: Der Leitartikel „Die bigotte Republik“ vom 1. August 2002

Was erwarten wir denn von unseren Politikern? Tadel- und fehllos, ohne Schulden, ohne Vergangenheit, ohne Macken, ohne Ausrutscher und somit auch ohne überstandene Krisen?! Ich habe nicht einen solchen Menschen in meinem Freundeskreis. Möchte ich auch gar nicht, denn solche Menschen finde ich blass, langweilig, angepasst und meist feige. Mit Sicherheit sind sie keine schillernden Persönlichkeiten, denn die werden vom Leben, von ihren Eigenarten oder Fehlern und den daraus resultierenden Erfahrungen „geschliffen".

Clever, erfahren, kreativ (auch manchmal trickreich) und sozial kompetent, so stelle ich mir den Politiker vor, der im Team mit ähnlich qualifizierten Kollegen unser Land führt. Innovation und Schwung für unsere Wirtschaft und mehr Motivation und Eigenverantwortung bei unseren müden Mitbürgern erzielt. Mir ist ein Politiker lieber, der seine Bonusmeilen einheimst als der Kollege „Weiße Weste", der vor lauter Karriere-Geilheit und Korrektheit seine „dummen Gedanken" (die er hoffentlich schon mal hatte) ein Leben lang unterdrückt hat.

Die ganze Diskussion finde ich heuchlerisch, denn das meiste, was wir ihnen vorwerfen ist „menschlich". Ich würde von mir nicht behaupten, das ich diesen ständigen Versuchungen widerstehen könnte? Sie? Wir alle kennen das Gefühl an der Kasse im Kaufhaus oder sonstwo zu stehen und die Kassiererin hat eine Null beim Preis vergessen einzutippen, Schnäppchen! Ja, vielleicht nicht ganz richtig, aber menschlich.

Ich habe ein großes Verlangen nach „echten Menschen" in der Politik, keine funktionierenden, machtgesteuerten „Nichts bewegenden Saubermänner".

Birgitta Vetterling, Berlin

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