Leserbriefe : Lieber heute als morgen aufhören

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Zu Ursula von der Leyens Bilanz

des Prostitutionsgesetzes vom 25. Januar

Prostitution ist kein Beruf wie jeder andere. Das war und ist eine Wunschvorstellung der „Freier“, die sich für ihr Tun ein reines Gewissen einreden wollen. Und das war und ist das Anliegen derjenigen, die von dieser frauenverachtenden Ausbeutung profitieren. Die überwiegende Zahl der sich prostituierenden Frauen machen dies mehr oder weniger aus einer Zwangslage heraus, sei es, weil sie ohne Aufenthaltserlaubnis sind oder trotz Aufenthaltserlaubnis keiner Arbeit nachgehen dürfen, weil sie Drogen konsumieren oder in anderer Weise in finanzieller Bedrängnis sind.

Ich selbst hatte bei der Verabschiedung des Gesetzes vor sechs Jahren die leise Hoffnung, dass wenigstens hinsichtlich des Ausstiegs aus der Prostitution massive Anstrengungen unternommen würden. Aber Fehlanzeige! Das genaue Gegenteil ist eingetreten: Immer wieder werden Fälle bekannt, dass Arbeitsagenturen den Frauen Jobs in Bars als zumutbare Arbeit aufnötigen wollen. Ich kenne durch meine Arbeit als Streetworker an einem Straßenstrich Berlins fast nur Frauen, die lieber heute als morgen diesem elenden Leben den Rücken kehren würden.

Gerhard Schönborn, Berlin-Spandau

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