Leserbriefe : Lieber Steuern senken als Renten erhöhen

„Jungpolitiker kritisieren höhere Renten“ von Rainer Woratschka vom 17. März

Ich war bestürzt über so viel Mißgunst der Jungpolitiker. Meine Freude über eine Erhöhung der Rente von 1,1 Prozent war nicht gerade euphorisch, zumal im gleichen Atemzug eine Erhöhung der Pflegeversicherung von 0,25 Prozent angekündigt wurde und diese von den Rentnern alleine getragen wird! Von einem Ausgleich für die Preissteigerungen in allen Bereichen kann ohnedies nicht die Rede sein. Die Arbeitnehmer streiken für höhere Löhne und Gehälter, um wenigstens die Preissteigerungen ausgleichen zu können. Was kann der Rentner tun? Wir haben keine Lobby! Da ich ehrenamtlich tätig bin, und ich weiß aus zuversichtlicher Quelle, dass abertausend andere Rentner ebenfalls umsonst tätig sind, kann ich nur alle Rentner aufrufen, ab sofort ihr Ehrenamt nieder zu legen!

Außerdem wollte ich die Medien bitten, in ihrer Berichterstattung über Rentner nicht immer nur solche am sonnigen Strand zu zeigen oder solche, die beim KadeWe shoppen, sondern sich mal bei der „Tafel“ umzusehen! Das ist die Realität!

Anita Torzewski, Berlin-Britz

Ich finde es empörend, mit welcher Vehemenz die jungen Politiker sich gegen eine Rentenerhöhung aussprechen, die nicht einmal die Inflationsrate ausgleicht. Es ist so bequem, aus sicherer Position Menschen zu verachten, die keine Lobby haben. Die heutigen Rentner haben ihr Leben lang gearbeitet, Kinder groß gezogen und Deutschland geschaffen, wie es heute ist. Den jungen Politikern wünsche ich Erfahrung in der Wirtschaft, ehe sie über Dinge bestimmen, die sie nur vom Hörensagen kennen.

Nikolaus Petersen, Berlin-Friedenau

Es trifft natürlich zu, dass die vorgesehene Erhöhung der Renten um „fürstliche“ 1,1 statt 0,5 Prozent zulasten künftiger Generationen geht – insoweit scheint die Kritik der Jungpolitiker durchaus berechtigt zu sein. Aber diese Kritik kann eigentlich nur als politische Stimmungsmache angesehen werden, wenn bedacht wird, dass die gleichen Politiker sich doch erst kürzlich bei dem eigenen „kräftigen Schluck aus der Pulle“ – nämlich der Erhöhung ihrer ohnehin nicht geringen Diäten von über neun Prozent (!) selber kräftig zulasten der Allgemeinheit bedient haben. Darüber hinaus binnen kürzester Zeit über eine sehr komfortable Altersvorsorgung verfügen werden und durch die kräftigste Steuererhöhung aller Zeiten (Mehrwertsteuer auf 19 Prozent) erst dazu beigetragen haben, dass es vielen Rentnern (aber nicht nur diesen) jetzt finanziell erheblich schlechter geht.

Die Politik sollte nicht Ursache und Wirkung verwechseln - wenn die Ursache verbessert (sprich Steuer- und Abgabenlast gesenkt) wird, haben auch Rentner ohne große Rentenerhöhung mehr Geld im Portemonnaie. Lohnerhöhungen könnten geringer ausfallen. Arbeitsplätze könnten gesichert werden. Ich bin übrigens kein Rentner.

Ulrich Engelke, Berlin-Dahlem

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