Leserbriefe : Lieschen Müller hätte es gemerkt

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Betrifft: „Zweifel am Sinn der 40Stunden-Woche“ vom 28. Juni 2004

Es ist unglaublich, dass der Wirtschaftsweise Peter Bofinger schon bei der Einschätzung einfachster wirtschaftlicher Vorgänge danebenliegt und bei einer Arbeitszeiterhöhung ohne Lohnausgleich eine Lohnkürzung und geringere Gesamtnachfrage feststellt. Selbst Lieschen Müller hätte spätestens am Monatsende gemerkt, dass ihr Gehalt dieselbe Höhe hat und ihr Geld am Monatsende aufgebraucht ist. Eckard Wohlers vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv sei Dank, dass er den Sachverhalt zutreffend dargestellt hat. Wenn die Vorschläge von Bofinger im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung dieselbe Güte haben, wundert es mich nicht, dass Deutschland nicht aus der Krise kommt!

Gerrit Kähling, 14089 Berlin-Gatow

Bei der Debatte um Arbeitszeitverlängerungen wird eines völlig außer Acht gelassen: Die demografische Entwicklung in Deutschland. Längere Arbeitszeiten sind genau der falsche Weg für eine alternde Gesellschaft, weil sie unweigerlich das ohnehin schon strapazierte Gesundheitswesen mehr belasten. Wenn zum Beispiel die Bau-Arbeitgeber die von ihnen geforderte 42-Stunden-Woche durchsetzen, werden die Kosten für die Behandlung der Bauarbeiter wegen körperlicher Verschleißerscheinungen ansteigen. Die Wirtschaft darf die Arbeitskräfte nicht über ein paar Jahre hinweg aussaugen und die leere Hülle dann den Sozialstaat überlassen.

Wolf Niese, Berlin-Lankwitz

Die Einführung der 40-Stunden-Woche bei Siemens schafft keinen neuen Arbeitsplatz und macht die Arbeitnehmer auch in anderen Unternehmen erpressbar. Denn wer der unbezahlten Mehrarbeit nicht zustimmt, dem wird wohl mit Entlassung gedroht. Ein wenig erinnert dieses unsoziale Unternehmerverhalten an die Sklavenordnung des 18. Jahrhunderts in Amerika.

Albert Alten, Wernigerode

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