Leserbriefe : Live-8-Konzerte können Armut nicht abschaffen

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„Künstlerpech“ vom 4. Juli 2005

Ein Kommentar muss nicht gerecht sein, eine Meinung darf durchaus provozieren. An den Fakten darf sie aber dennoch nicht vorbeigehen. Anders als Herr Nowakowski schreibt, haben Klaus Wowereit und die Senatskanzlei keine Chance vertan, sondern im Gegenteil – und wie der Tagesspiegel selbst korrekt berichtet hat – alles getan, damit Live8 einen guten Standort hat. Für den Ort „17. Juni“ hat sich der Veranstalter selbst nach Abwägung von Alternativen entschieden, wegen der internationalen Bilder vom Brandenburger Tor. Die veranstaltende Berliner Agentur Semmel Concerts hat sich jedenfalls bei der Senatskanzlei und allen beteiligten Behörden für die unbürokratische und schnelle Unterstützung bedankt.

Wie schön wäre es doch, wenn eine Berliner Tageszeitung einfach mal Berlin als Ort für derartige Veranstaltungen verteidigen würde, anstatt den teilweise unflätigen und sachlich falschen Beschimpfungen nörgelnd hinterherzuschreiben. Und wenn schon meckern, dann vorher die Fakten richtig recherchieren.

Michael Donnermeyer,

Chef des Presse- und Informationsamtes Senatskanzlei Berlin

„Millionen gehen für Afrika auf die

Straßen“ vom 3. Juli 2005

Nie war es einfacher, die Armut zu bekämpfen. Man genießt einen Tag im Hyde-Park, hört sich die weltweit besten Bands an und schickt eine SMS an die Live-8-List. Anschließend bekommt man von allen Seiten bestätigt, wie wichtig dieser Beitrag für die Armutsbekämpfung war. Aber Armutsbekämpfung ist nicht so einfach. Obwohl Live8 ein einmaliges Ereignis war, birgt es die Gefahr, die falschen Botschaften zu vermitteln. „We don’t want your money, we want you“ – verkünden die Organisatoren auf der Bühne im Hyde-Park, keine wirkliche Herausforderung, wenn man nur 200000 Leute für ein Event zulässt, zu dem selbst bei hohen Eintrittspreisen mehr Leute gekommen wären. Eine politische Demonstration ohne Absperrungen hätte dieses Motto wohl besser unterstützt.

Auch keine Herausforderung ist es, von den G-8-Leadern ein Ende der Armut zu fordern. Solange die Mehrheit ihrer Wähler eher für „Let me entertain you“ stimmt und nicht bereit ist, etwas von ihrem eigenen Wohlstand abzugeben, besteht für die G-8-Leader kein Handlungsbedarf.

Stefan Hochhuth, London

„Der Tag, an dem... ...Woodstock, Teil drei“ vom 2. Juli 2005

Der Woodstock-Artikel trifft’s auf den Punkt. Diese Live-8-Aktion ist nichts anderes als Imagepflege für alternde Popstars.

Gerhard Weichenberger,

Berlin-Buckow

Ich finde es wirklich sehr traurig und beschämend, dass Sie in dem Artikel über Live8 in der Wochenendausgabe fast nichts Positives in der Veranstaltung der vielen Musiker sehen können und im Wesentlichen nur Eigenbereicherung der Musiker unterstellen.

Prinzipell finde ich es gut, auch über die Schattenseiten zu berichten, nicht aber jede gute Motivation, die von Herzen kommt, den Musikern und Organisatoren abzusprechen.

Es tut mir leid für Sie, dass Sie zu keiner positiveren Reflexion kommen konnten. Es ist wie bei der Tsunami-Hilfe, es gibt Pro und Kontra und Bedenkwürdiges, aber vor allem auch aufrichtige Menschen, die das von Herzen machen.

Das sollten Sie nicht vergessen

Michael Jäckel,

Berlin-Lichterfelde

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