Leserbriefe : Machen Körperscanner das Fliegen sicherer?

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Foto: Bundespolizei

„Regierung hat es mit Körperscannern eilig / Noch in diesem Jahr sollen Geräte einer neuen Generation eingesetzt werde“ vom 4. Januar

Zurzeit wird in einem kaum vertretbaren Umfang über Körperscanner gesprochen und geschrieben. Sicherheit ist auf jeden Fall erste Priorität und es wäre angebracht, sich mit Erfahrungen von Sicherheitsexperten aus Israel vertraut zu machen.

Es ist bekannt, dass die israelische Regierung und die Fluglinie El Al einen ausgesprochen hohen Sicherheitsstandard haben und über enorme Erfahrungen in Sachen Flugsicherheit verfügen. Auch gegenwärtig kommen in Israel keine Körperscanner zum Einsatz, weil diese nur vordergründig Sicherheit bieten. Erst in den letzten Tagen war von israelischer Seite zu hören, man bleibe auch weiterhin bemüht, die Passagiere nach Täterprofilen zu durchsuchen.

Alle bisherigen Attentäter waren unter 30 Jahre, unverheiratet und kamen aus Asien oder Afrika oder hatten einen diesbezüglichen Migrationshintergrund. Es sei daher kaum nachzuvollziehen, warum u. a. älteren Passagieren über 50 überhaupt der Körperscanner zugemutet werden solle. Zum Zweiten muss eine rigide Gepäckkontrolle – auch des Handgepäcks – stattfinden. Letzteres ist der Grund für die langen Abfertigungszeiten mit El Al seit Jahren. Bis jetzt war diese Kombination für israelische Sicherheitsexperten erfolgreich. Auch zukünftig sollen keine Körperscanner eingesetzt werden.

Der Artikel lässt den Schluss zu, dass die sogenannten Sicherheitsexperten wieder einmal den Wünschen der Industrie und nicht der Sicherheit nachkommen.

Peter Senft, Berlin-Dahlem

Sehr geehrter Herr Senft,

ich kann Ihre Sorge nachvollziehen und teile Ihre Auffassung, dass man sich nicht allein auf die Technik verlassen darf.

Was aber kann die Bundespolizei als eine der größten Sicherheitsbehörden tun, um beispielsweise die Flughäfen noch sicherer zu machen? Meine Mitarbeiter beschäftigen sich seit geraumer Zeit damit, die Sicherheit im Luftverkehr weiter zu verbessern. Hierzu werden auch verschiedene Technologien, wie zum Beispiel die sogenannten Bodyscanner, getestet. Dabei liegt es mir besonders am Herzen, dass wir erst dann einen Bodyscanner für die Luftsicherheitskontrolle vorschlagen und vorstellen, wenn durch seinen Einsatz Ihre und die Gesundheit aller Reisenden nicht gefährdet ist, die Intimsphäre nicht verletzt wird und der Scanner von seinem Leistungsvermögen her so ausgereift ist, dass er einen echten Mehrwert in der Luftsicherheit bringt.

Wenn Sie derzeit fliegen, werden Sie während einer Kontrolle teilweise am Körper von unserem Sicherheitspersonal angefasst – das ist nicht für jeden Reisenden ein gutes Gefühl. Daher bin ich sicher, dass der Einsatz eines Bodyscanners unter Wahrung ethischer und gesundheitlicher Aspekte, aber eben auch des bereits erwähnten Persönlichkeitsrechts, ein geeignetes Mittel sein kann, den Flugverkehr für Sie noch sicherer zu machen und insgesamt die Kontrolle für alle angenehmer zu gestalten.

Die Bundespolizei tauscht sich seit dem letzten Jahr eng mit den israelischen Sicherheitsbehörden aus. Wir legen Wert auf die Erfahrungen anderer Kollegen, wenn es um unsere und um Ihre Sicherheit geht. Wir haben in den bisherigen Gesprächen vereinbart, die Zusammenarbeit in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe fortzuführen. Dabei werden wir auch die von den israelischen Kollegen angewandten Methoden, wie beispielsweise Täterprofile, diskutieren. Es ist wichtig, auch die Erfahrung anderer zu nutzen und zu erkunden, was unsere Sicherheit noch weiter erhöhen kann.

Doch bei allem was wir prüfen, steht eines fest: Wir handeln nach gesetzlichen Grundlagen. Generalverdacht, überzogene Kontrollen jedes Einzelnen inklusive einer Entkleidung, akute Einschränkungen der Bewegungsfreiheit oder eine wahllose Datenerhebung kommen für uns nicht in Betracht. Wir wollen größtmögliche Sicherheit für die Reisenden bieten. Das beinhaltet auch intensive Kontrolle des Reisenden selbst und seines Hand- bzw. Reisegepäcks. Dennoch muss es jedem Bürger möglich sein, weitestgehend frei und entspannt zu reisen.

Meine Mitarbeiter und die Mitarbeiter der Luftsicherheitsunternehmen kontrollieren täglich mehr als 250 000 Fluggäste an deutschen Flughäfen. Seit 9/11 wissen wir, dass es dabei nicht nur um das Wohl der Fluggäste selbst, sondern um die Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger sowie der Infrastrukturen am Boden geht.

Mit besten Grüßen

Ihr

— Matthias Seeger

Präsident des Bundespolizeipräsidiums

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