Leserbriefe : Mal dunkel geschminkt vor dem Bahnhof sitzen

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„Gewaltiges Aufkommen“ vom 19. Mai und „Gefährliches Terrain“ vom 18. Mai 2006

Das die Äußerungen von Herrn Heye in vielen Dingen zugespitzt waren, ist sicherlich richtig. Doch hat er damit in der deutschen Politiklandschaft Mut bewiesen und ein Thema angesprochen, welches dort allzu gerne stillschweigend hingenommen wird: Rechtsradikalismus und nationalsozialistisches Gedankengut. Viele Politiker verkennen das Problem, das in ganz Deutschland existiert und nur sporadisch angesprochen wird. Und zwar dann, wenn von Ministern „Bestrafungen mit aller Härte des Gesetzes" versprochen werden, weil es wieder einen rechtsradikalen Übergriff gab.

Das Problem des Radikalismus wird in der Politik nicht gebührend beachtet, denn in Deutschland kann nicht sein, was nicht sein darf. Schon gar nicht so unmittelbar vor der Fussball-WM.

Und es bedarf keiner prophetischen Begabung um zu erkennen, das wir uns auch noch in Jahren über solche Äußerungen von Politikern monieren, obwohl sie ein real existierendes Problem ansprechen.

Michael Hensel, Lübbenau

Die mutige, vorausschauend warnende Äußerung des erfahrenen politischen Menschen Heye sollte den verantwortlichen Organisatoren der WM nicht nur Anlass zum Nachdenken sein sondern sie auch zu entsprechenden Vorsichtsmassnahmen veranlassen. Das wäre jedenfalls hilfreicher, als jetzt ein vordergründiges Abwehrgeschrei anzustimmen und dann, wenn wieder einmal Zusammenstöße passiert sind, nur die Scherben aufzulesen und die Suche nach den Schuldigen zu betreiben. Leider kommt das Reagieren auf rechtsradikale Geschehnisse in diesem unseren Lande immer noch vor dem Agieren – da lernen wir eben nicht aus unserer Geschichte.

Anne-Marie Wilczynski,

Glienicke

Endlich wird Klartext geredet und nichts beschönigt. Und der Tagesspiegel belegt die Aussage des ehemaligen Regierungssprechers mit klaren Daten und Fakten. Dagegen zeigen die Äußerungen von Platzeck, Schönbohm und Co. einmal mehr das Verleugnen und nicht Wahrhabenwollen von Tatsachen sowie deren Realitätsferne und das Fehlen jeglichen Bewusstseins und jeglicher Sensibilität.

Erio Alexander Tsuchiya,

Berlin-Dahlem

Die Herren Pofalla, Platzeck und andere Politiker die so besorgt um den Ruf Deutschlands und speziell Brandenburgs sind, sollten sich doch mal dunkel geschminkt vor den Bahnhof Mahlow oder Bernau setzen oder durch Hellersdorf laufen und dann die Frage beantworten, ob die Gesundheit dunkelhäutiger Menschen nicht ein höher zu bewertendes Gut ist, als das ohnehin geschädigte Ansehen ihres Landes.

Axel Feuerberg, Teltow

No-go-Areas gibt es in Berlin en masse. Für schwule Männer ist mindestens die Hälfte Berlins in der Nacht gefährlich. Selbst im „schwulen“ Schöneberg gibt es Teilbereiche , die man besser meidet. Und bis die Polizei gekommen ist, hat man die Prügel eingesteckt. Wenn sie denn überhaupt kommt.

Klaus Koch, Berlin-Schöneberg

Hat nicht jeder seine No-go-Area ? Ich meide wenig belebte Gegenden wie Industriegebiete und spaziere nicht nachts durch den Wald. Das ist ein Ergebnis von Erfahrung, Gefühlen und Geschichten und die hat wohl jeder schon erfahren.

Eva-Maria Beier, Berlin-Tegel

Leider noch ein Beispiel für die Diskriminierung von Ausländern in diesem Lande: Wenn eine Gruppe Jugendlicher in eine Disko geht und einer davon etwas fremd aussieht, ist es absolut Usus, dass er von dem Türsteher herausgepickt und ihm der Eintritt verweigert wird. Begründung, ganz lapidar: "Du nicht, wir haben schon genug Ausländer im Laden!“

Jim Austin, Berlin-Steglitz

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