Leserbriefe : Man sollte mal das Licht einschalten

Zu „Kinder lernen besser ohne Computer" vom 24. Juni

Schaltet Herr Professor Spitzer eigentlich Licht an? Telefoniert er? Fährt er Fahrrad? Warum setzt er sich nicht täglich zur Nahrungsbereitung mit zwei Feuersteinen an dürres Gras, um Feuer zu entfachen? Herr Spitzer begibt sich täglich unzähliger Chancen, aktives Lernen zu initiieren, stattdessen wird auch er die Evolution der Technik direkt oder indirekt nutzen (müssen). Lernen beginnt pränatal – und endet mit dem Leben. Eine Aufgabe (von vielen) der Schule ist es, Lernprozesse zu initiieren, die systemisch-gesellschaftlich anscheinend nötig sind. Dazu gehört aktuell die Beherrschung von Informationstechnologie. Wenn der Gebrauch von Power Point Thema und Lerninhalt war, sein Sohn indes eine OH-Folie fertigt, ist eben das Thema verfehlt, auch wenn die Präsentation mittels Folie anschaulicher war. Dem pädagogischen Geschick des Lehrers ist es dann überlassen, die Leistung dennoch adäquat zu würdigen! Der didaktische Ort des PC-Einsatzes, die Verknüpfung und die Einbindung in Lernprozesse sind Fragen, die sich die Schule für den Unterricht zu stellen hat. Dabei kommt der Werkzeugcharakter zum Tragen, automatisch wird die exzessive Nutzung als Spielgerät in den Hintergrund gerückt. Der funktionale Einsatz wird geübt, damit bekommt der PC einen Standort im Kontext des Lernens. Ich stimme zu: Wenn es kein Konzept gibt, wie aktives Lernen – unter Einbeziehung der Informationstechnologie – in Schulen gefördert und angebahnt wird, sondern eine Passivität der Schüler unterstützt wird, dann ist an der Schule etwas faul – aber nicht per se am PC. Und natürlich kann ich bei der Fahrradreparatur nicht lernen, wie man Nudeln kocht. Für viele Bereiche taugt der PC überhaupt nicht als „Lernwerkzeug“. Das muss ich eben lernen! Man kann H. Spitzer nur einladen, sich „aktiv lernende“ Kinder am PC anzuschauen. Vielleicht kennt er die falschen Schulen. In einem weiteren Punkt hat er recht: Lehrer sind keine PC-Verwalter, sondern sollten in der didaktisch-sinnvollen Einbindung des Computers in Lernprozesse geschult werden, statt am Gerät zu schrauben.

Christoph Schubert

Berlin-Spandau

Ein schönes Stück Aufklärung im viel zu oft antipädagogisch getakteten heutigen Alltag. Herzlichen Dank an beide Seiten für diesen etwas anderen sokratischen Dialog auf der Höhe der Zeit!

Karsten Unger, Berlin-Heiligensee

Wie schade, dass ein eigentlich interessantes Thema mit so abgestandenem Zeug wie den Thesen aus Spitzers Buch „Vorsicht, Bildschirm“ wiederbelebt wird. Aber nicht nur abgestanden, auch gemein verkürzt. Die hanebüchensten Thesen Spitzers aus dem Buch werden unterschlagen.Wie schön, dass wenigstens einige platte „Argumente“ im Interview genannt wurden („Was Kinder und Jugendliche lernen müssen, lernen sie viel besser ohne Computer.“)

Katharina Meyer, Berlin-Moabit

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