Leserbriefe : Manager sind die Feudalherren unserer Epoche

Zur Berichterstattung über die Finanzkrise

Herzlichen Dank Harald Schumann und der Wirtschaftsredaktion! So wie die Hintergründe der Finanzkrise und Lösungansätze beschrieben und erklärt werden, habe ich das in keiner anderen Publikation auch nur annähernd gleichermaßen verständlich und dennoch kurz gehalten gelesen.Dieser Beitrag muss auch auch Leser ansprechen, die sich sonst für wirtschaftliche Zusammenhänge weniger interessieren.

Klaus Durchholz, Falkensee

Ackermann sagt, er würde sich schämen, Staatsgeld zu nehmen, und die Presse betont, die Bank, die zuerst auf das Rettungspaket zurückgreift, blamiere sich damit.Falsch! Banken, die auf das Angebot öffentlicher Gelder zurückgreifen oder zurückgreifen müssen (wie die UBS und die US- und UK-Banken!) werden schnell wieder flüssig, handlungsfähig, und können so gerade jetzt und in Zukunft gute Geschäfte machen und so auch die Wirtschaft stützen und ihre Stellung und Macht ausbauen. Wer die Banken diskriminiert, die Staatsgelder anfordern, will offensichtlich verhindern, dass diese Banken sich stärken. Das könnte gerade die stärksten Banken in ihrer Stellung in der Bankenhierarchie gefährden. Ackerman sagt, er würde sich schämen ? Der hat doch schon mehrfach bewiesen, dass ihm gerade diese Fähigkeit fehlt - wie auch allen Bankmanagern, die den US-Hypothekenschrott mit AAA++ bewerteten und anderen andrehten. Auch die Käufer hätten auf die Inhalte schauen sollen (was sie vor dem Kauf jeden Jogurt-Bechers tun). Schämt sich einer von denen? SIE haben allen Grund dazu. Nicht die, die sich mit Staatsgeldern oder Garantien aus dem Schlamassel raushieven wollen.

Walter Schorlies,

Berlin-Charlottenburg

Der Versuch des Herrn Ackermann, sich als sozial und mitarbeiterorientiert darzustellen, ist zynisch. Wer per anno zwischen 16 und 17 Millionen Euro verdient, kann ohne finanzielle Sorge auf einige Millionen verzichten. In Anbetracht der Tatsache, dass auch oder gerade die Deutsche Bank maßgeblich, wenn auch nur durch Verniedlichung, zum derzeitigen Desaster an den Börsen beigetragen hat, verbietet sich jede Form der Sonderhonorierung für offenbar unter totaler Selbstüberschätzung leidende Manager des führenden deutschen Geldhauses. Noch vor wenigen Monaten leugnete Ackermann eine weltweite Finanzkrise und redete das Risko gen Null. Statt publikumswirksam den Samariter zu spielen, sollten die Herren Ackermann, Lamberti &Co die Millionen für die Entschädigung der durch Fehlberatung ihrer Anlageberater geschädigten Privatkunden aufwenden.

Klaus-Dieter Dominick,

Berlin-Reinickendorf

Brauchte der Kaiser Geld für seinen Krieg, der König für seine Hofhaltung wurde es dem Volk abgepresst, bis dieses sich auf sich selbst besann und die Guillotine walten ließ. Die Feudalherren unserer Epoche sind die Manager der Konzerne und Banken, die derzeit darüber grübeln, warum manch Aktie noch soviel wert ist wie Wurstpapier und jede Makrele verweigert, sich von einem Lehman-Zertifikat einwickeln zu lassen; und dem vom Aktienrecht schimmerlosen Bankenvorstand, der sich vor dem Crash am Anfang vom Ende der Krise wähnte, schlottern bereits die Knie, wenn er hinsichtlich seiner unbilligen Boni Verzicht übt und diesen auch seinen postmodernen Hofschranzen verordnet, während die Polithofnarren und Parlamentshanswurste ihre unlauteren Zoten und irritierenden Faxen dazu vollführen.

Norbert Franz Schaaf, Koblenz

Ich bin nur ein kleiner Mittelständler im Ruhestand, aber ich weiß, dass Wechselreiterei verboten und strafbar war und ist. Was die globalisierten Finanzbosse aber gemacht haben, und wodurch die ganze Finanzkrise ausgelöst worden ist, kommt mir vor wie eine Spielart der Wechselreiterei: Geldtransfers nur in Form ungesicherter Schuldversprechungen? Ich habe stets nur Kredite bekommen, wenn ich eine Deckung in gleicher Höhe vorweisen konnte, und deshalb lieber mit eigenem Kapital statt mit Fremdgeld gearbeitet. Wieso waren die Banken so leichtsinnig, hochrisikoreiche Kredite zu vergeben, wenn der Schuldner keine Deckung vorweisen konnte? Und warum werden die verantwortlichen „Täter“ nicht zur Schadenbeseitigung gezwungen statt nur Verantwortung als Worthülsen zu übernehmen?

Werner Brauckhoff,

Berlin-Lichterfelde

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