Leserbriefe : Mann tanzt doch

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„Mann tanzt nicht“ vom 23. Februar 2006

In der etwas lebensfremden Behauptung, dass angeblich 90 Prozent der Männer nicht gerne tanzen, unterschlägt der Autor, dass es bei der Befragung um Gesellschaftstänze ging. Ansonsten müsste es aufgefallen sein, dass gerade an Wochenenden überall auf der Welt Party- und Diskoräume überfüllt sind, wobei oft sogar mehr Männer als Frauen auf der Tanzfläche sind. Allerdings ist es nicht jedermanns Sache, sich nur nach von Tanzlehrern genau vorgegebenen Schrittfolgen und Mustern zu bewegen, nach Musikplatten, die seit 50 Jahren „Im strikten Rhythmus“ oder ähnlich heißen. Auch das kann sehr amüsant sein, aber ich habe beobachtet, dass in den wenigen Etablissements für Gesellschaftstänze (abgesehen von Tanzschulen und Privatinitiativen) auch keine meisterlichen Paso doble oder Quicksteps zu bewundern sind, sondern meist über den Körperkontakt nach weiteren Initiativen gesucht wird.

Obwohl ich selbst Gesellschaftstänze beherrsche, sollte man anderen, die keine Lust zum offenen Rheinländer oder Tango haben, kein schlechtes Gewissen machen oder sie als „Nichttänzer“ bezeichnen. Viele junge Menschen sehen in der versteckten Aufforderung, doch endlich wieder „anständig“ zu tanzen, nur eine Rückkehr zu konservativen und kleinbürgerlichen Lebensformen.

Bernd Heller, Berlin-Charlottenburg

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