Leserbriefe : Mauern führen nicht zum Frieden

Zur Berichterstattung über den 20. Jahrestag des Mauerfalls

In den vielen schönen Sonntagsreden zur Wiedervereinigung wird von früh bis spät über die Ereignisse der achtziger Jahre gesprochen. Es fehlen aber die klaren Worte dazu, dass wir Deutschen das Unglück und Elend der Teilung zuerst mal selbst herbeigeführt haben. Schließlich führten Hitlerregime und Zweiter Weltkrieg zu einer Situation, die zwei deutsche Staaten hervorbrachte. Insofern kann es jetzt nur darum gehen, in Ordnung zu bringen, was wir selbst angestellt hatten. Deshalb sollte die ständige Schulterklopferei sofort aufhören und endlich entschlossen an die Aufräumungsarbeiten der Teilungs- und Wiedervereinigungsfolgen herangegangen werden.

Jürgen Böck, Wasserburg (Bodensee)

Wären die Deutschen am 9. November des Jahres 1938 nur annähernd so ungehorsam und nur halb so mutig gewesen wie die (Ost-)Deutschen am 9. November 1989, dann wäre unserem Land und der Welt unendlich viel Leid erspart geblieben.

Norbert Wollschläger,

Berlin-Wilmersdorf

Gut, dass die Kanzlerin am 9. November daran erinnert hat, was an jenem 9. November des Jahres ’38 geschah. Eindeutig der Hinweis, welcher Katastrophe die Nachkriegsprobleme inklusive Teilung und Mauer wirklich zugrunde liegen. Vergessen wir nicht, dass sich die Deutschen im Osten in Zuständen wiederfanden, die sie selbst so zum großen Teil nicht wollten, in denen sie sich aber einrichten mussten; darauf hoffend, dass ihnen das „ihre Brüder und Schwestern im Westen“ nicht vorwerfen. So gesehen ist der Hinweis auf die Vollendung der deutschen Einheit nur konsequent.

Das Problem ist nur, dass möglicherweise die Deutschen im Osten und die im Westen darunter was völlig anderes verstehen, weil das, was als Vereinigung verkauft wird, in Wirklichkeit im juristischen, politischen und ökonomischen Sinne ein „Beitritt“ ist. Es ist eben alles eine Definitionsfrage, wie die mit der „Unantastbarkeit der Würde des Menschen“ im Grundgesetz. Klingt gut.

Merkwürdigerweise scheint niemanden zu stören, dass es für hunderttausende Bundesbürger nichts Würdeloseres gibt, als ihrer Arbeit nicht nachgehen zu können. Und keiner kann das einklagen, auch nicht in einem Rechtsstaat.

Olaf Stephan, Berlin-Altglienicke

Es ist geradezu ein Segen, wohltuend, dass es auch noch Stimmen gibt wie die von Richard Schröder, die sich abhebt von der manchmal geradezu überschäumenden Aufgeregtheit vieler Politiker und Medien, wenn es um das Thema Mauerfall und Wiedervereinigung geht. Dieses Wortgeklapper und die Stimmungsmache mit der „vollendeten“ oder „unvollendeten“ „inneren Einheit“, der DDR-Nostalgie („ach, wie war es damals doch so sozial, traut und heimelig“) kann einem, der beide Seiten zur Genüge kennt, nur noch auf den Wecker gehen! Wohltuend dagegen die Nüchternheit, die ernsthafte Tiefe, mit der Schröder unsere Situation beschreibt. Ein Elend nur, dass solche vernünftigen Stimmen so selten laut werden.

Hans-Joachim Goeres, Meckenheim

Protest oder Freude – Mauern werden immer eher den Widerstand der Eingesperrten anstacheln, als zum Frieden zu führen. Die DDR-Regierung erreichte damit zwar, dass die Flüchtlingszahlen sanken – die Fluchtsehnsucht nicht. In Israel sank vielleicht die Menge der Anschläge, dafür stieg der Hass auf die Mauerbauer.

Warum nutzen wir physikalische Erkenntnisse nur für den technischen Fortschritt und nicht untereinander? Druck erzeugt Gegendruck!

Heide Binner, Berlin-Rudow

Bei aller Euphorie wollen wir nicht vergessen, dass die Herren Wowereit und Platzeck keine Skrupel haben, für ihre persönliche Macht die Unterstützung der Partei zu nutzen, deren Überwindung die Menschen feiern. Die DDR ist erst überstanden, wenn es keine Ex-SED mehr in den Landesregierungen gibt.

Jürgen Schröder, Berlin-Frohnau

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