Leserbriefe : Mehdorns und Wowereits Zickigkeiten sind kein schöner Zug

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„Regierung gegen Bahnumzug“

vom 30. November 2005

Die Äußerungen des Hamburger Bürgermeisters von Beust zeigen einmal mehr, wohin uns die Kleinstaaterei führt. Nicht miteinander wird für das Wohl der Kunden und der Bewohner anderer Bundesländer entschieden, sondern gegen sie. Dabei übersehen von Beust und Mehdorn, dass sie nicht ihre eigenen persönlichen Interessen zu vertreten haben, sondern Rücksicht auf die Belange aller Betroffenen nehmen müssen. Gemeint sind die der Bahnkunden, die den erneuten Umzug mit höheren Reisekosten bezahlen müssten, und die der Berliner, die ebenfalls die Kosten des Umzugs zu tragen haben, ohne Nutzen.

Mehdorn lässt sich bei seinen Entscheidungen von persönlichen Animositäten gegen den Berliner Bürgermeister leiten – was ihn als Top-Manager schon disqualifiziert.

Aber auch von Beust ist nicht gerade ein Vorbild seiner Zunft – es wird Zeit, dass unsere „Landesväter“ begreifen, dass sie sich nicht als Konkurrenten verstehen dürfen, sondern dass Landespolitik auch Rücksicht auf die Interessen der anderen Bundesländer erfordert. Sonst können wir uns den Föderalismus nicht mehr leisten und müssten ihn endlich abschaffen.

Willi Hübener, Heilbad Heiligenstadt

„Bahn-Umzug nach Hamburg so gut wie

sicher“ vom 29. November 2005

Ganz zweifellos hat sich Herr Mehdorn um die DB in hohem Maße verdient gemacht. Denn seine Vorgänger waren eher von Herrn Kohls Gnaden im Amt und haben die DB großenteils auf Verschleiß gefahren. In die längst schon nicht mehr zeitgemäße Tarifgestaltung nach Gesichtspunkten des 19. Jahrhunderts hat er endlich Bewegung gebracht, wenn dies auch etwas überstürzt geschah. Tatsache ist jedoch, dass im Personenfernverkehr wieder mehr Fahrkarten verkauft werden.

Indessen hat Herr Mehdorn, wohl auch unter der Deckung durch seinen Freund, Herrn Schröder, offenbar Allüren eines Gutsherren angenommen. Dies zeigt sich besonders in Berlin an der Art und Weise, wie gegen die Mehrheit Bahnhöfe umbenannt werden, und an der Schließung des Bahnhofs Zoologischer Garten für den Fernverkehr, was eindeutig den Interessen und Bedürfnissen der Fahrgäste schadet – seinen Kunden also.

Die Hamburger seien indessen schon jetzt gewarnt, dass sie sich nicht wundern sollten, wenn sie eines Tages aufwachen und sich erstaunt die Augen reiben: Altona heißt plötzlich Westbahnhof, Harburg Südbahnhof, Ohlsdorf Nordkreuz und Berliner Tor Ostkreuz, und Dammtor gibt es nicht mehr als Fernbahnhof – den Hamburgern wäre das Berliner Mitgefühl schon jetzt gewiss!

Norbert Schneider, Berlin-Zehlendorf

Nach der Entscheidung gegen den „Lehrter Bahnhof“, für den eine klare Mehrheit der Bürger votiert hatte, gegen den Bahnhof Zoo, nach den Umzugsplänen von Berlin nach Hamburg (früher schon mal Frankfurt am Main) wäre es an der Zeit, dem Bahnchef – ausnahmsweise schon zu Lebzeiten – eine Straße zu widmen. Rudi Dutschke kann ruhig noch warten. Und dann die neue Nord-SüdAchse durch den „Hauptbahnhof“: MM1 sollte sie heißen – Mehdorn-Magistrale.

Karl-Heinz Clemens,

Berlin-Schmargendorf

„Bahnumzug jetzt Chefsache für

Merkel“ vom 28. November 2005

Die Gründe dafür, so wenig wie möglich mit der Bahn zu fahren, häufen sich. Außer Auto und Flugzeug gibt es zahlreiche Buslinien von und nach Berlin.

Udo Borck, Berlin-Schöneberg

Bisher bin ich als Geschäftsmann davon ausgegangen, dass die Deutsche Bahn eine ganz normale Aktiengesellschaft ist. Wenn ich allerdings die jüngsten Beschlüsse dieses Vorstandes in der Zeitung lese, dann allerdings erscheint mir die Deutsche Bahn eher wie ein Einzelunternehmen, geleitet von einem egozentrischen Einzelgänger, der nur an seine Unfehlbarkeit glaubt und dem der Rest der Welt vollkommen egal ist.

Im vorliegenden Fall lese ich, dass sich manche Aufsichtratsmitglieder gar nicht zuständig fühlen, dass manche erst kürzlich informiert wurden, dass fünf Mitglieder noch gar nicht ernannt sind, und muss daraus schließen, dass ein Herr Mehdorn anscheinend tatsächlich der Alleinherrscher ist, wie er sich ja übrigens auch immer und gerne darstellt, und dass der Aufsichtsrat sich selbst nicht ernst nimmt und sich damit völlig in Frage stellt. Es kann doch nicht wahr sein, dass zu den wesentlichen Argumenten, die für einen Umzug nach Hamburg angeführt werden, auch gehört, dass sich der Chef nicht mit dem Bürgermeister versteht! In der angeführten „normalen“ Aktiengesellschaft wäre allein ein solch kindliches Verhalten ein Grund, sich möglichst schnell von diesem Herrn Vorstand zu trennen.

Hansjürgen Spiller, Berlin-Friedenau

„Es knallt am Knotenpunkt“

vom 27. November 2005

Im Leitartikel von Herrn Hops kommt eine mehr als merkwürdige Auffassung von Unternehmensentscheidungen staatlicher Großkonzerne zum Ausdruck: dass Herr Wowereit kein Ausbund an Einfühlsamkeit ist, kann ich als Lehrer im öffentlichen Dienst des Landes Berlin gut nachvollziehen. Dass Herr Mehdorn sehr eitel ist, mag schon sein.

Ich kann aber nicht verstehen, dass von solchen Befindlichkeiten – salopp gesagt Zickigkeiten – zweier Personen die langfristige Geschäftspolitik eines milliardenschweren Konzerns im Bundesbesitz mit gewaltigem Einfluss auf die Entwicklung ganzer Regionen abhängen soll. Die Entscheidungsgewalt hat doch wohl immer noch der Besitzer, der Bund, und damit die demokratisch gewählte Bundesregierung.

Thomas Isensee,

Berlin-Charlottenburg

Die Vorwürfe Ihres Autors Bernd Hops gegen Berlins Landesregierung sind unzutreffend. Hartmut Mehdorn, der ja nur von Bundespolitikers Gnaden Chef der Deutschen Bahn ist, ist ein Choleriker vor dem Herrn. Seit Jahren bringt er Unruhe in das Unternehmen. So trägt er zum Beispiel selbst für die unsinnige Umbenennung des Lehrter Bahnhofs die Verantwortung. Auch die unsinnige Amerikanisierung im öffentlichen Auftritt der Bahn trägt die Zeichen Mehdorns. Er hat dafür gesorgt, dass es weder Fahrkartenschalter noch Auskunft, dafür Service-Center und Ticket-Counter gibt. Leider hat er nicht dafür gesorgt, dass die Menschen in Centern und Countern neben ihrer deutschen noch weitere Sprachen sprechen.

Ralf Drescher, Berlin-Lichtenberg

„Es knallt am Knotenpunkt“

vom 27. November 2005

Dem Kommentar von Bernd Hops ist voll beizupflichten. Möglicherweise handelt es sich wieder um eine der selbstherrlichen Entscheidungen des Herrn Mehdorn. Hierzu sei auch nochmals auf die Verkürzung des Daches für den Hauptbahnhof verwiesen.Was ist denn mit den für viel Geld beschafften und individuell gefertigten restlichen Bauteilen geschehen? Wer zieht Herrn Mehdorn dafür zur Verantwortung bzw.was sagt der Eigentümer(Bund) zu dieser Verschwendung? Ungeachtet dessen sollte sich der Senat fragen,ob man mit der Deutschen Bahn etwas moderater umgehen sollte, nicht weil Herr Mehdorn bei Widerspruch äußerst empfindlich und beleidigt reagiert, sondern mit Rücksicht auf einen großen Arbeitgeber, den Berlin und das Umland nötig haben.

Wolfgang Köhler, Berlin-Zehlendorf

„Bahn-Umzugspläne: Wowereit attackiert Mehdorn“ vom 27. November 2005

Es ist schön zu sehen, wie die Reflexe in Berlin funktionieren: Kaum wird das Gerücht bekannt, dass die Bahn ihr Hauptquartier aus der Hauptstadt in die Hansestadt verlagern möchte, da schlagen schon alle auf die Bahn respektive Herrn Mehdorn ein. Dieser sei mit seinem Amt überfordert, unpatriotisch und stehe nicht zur deutschen Hauptstadt.

Ja steht denn die Hauptstadt zur Deutschen Bahn und zu Herrn Mehdorn? Erinnern wir uns: Nach mehrjähriger Planung und Bauzeit möchte die Bahn demnächst ihren neuen Hauptbahnhof in der Hauptstadt offiziell in Betrieb nehmen.

Überraschenderweise will sie dort auch Züge halten lassen. Leider ist der neue Hauptbahnhof nicht optimal in den öffentlichen Nahverkehr eingebunden, insbesondere nicht in den U-Bahnverkehr. Deswegen wird von vielen Seiten (auch vom Senat) gefordert, alle Züge auch am Bahnhof Zoo halten zu lassen. Wozu wird dann eigentlich der neue Hauptbahnhof noch gebraucht?

Der Flughafen Tegel (Beginn des zivilen Luftverkehrs: 1960 (!)) ist auch nicht an das U-Bahn Netz angebunden. Und bezüglich des neuen Flughafens Schönefeld sind mir keinerlei ernsthafte Pläne bekannt, einen Anschluss an die U-Bahn auch nur zu erwägen.

Statt auf die Bahn und auf Herrn Mehdorn einzudreschen, sollte der Senat genau analysieren, welche Faktoren die Bahn zu ihrer Entscheidung gebracht haben, um diese Fehler bei den in Berlin (zum Glück noch) existierenden Unternehmen nicht zu wiederholen.

Dr. Thomas D. Seuß, Berlin-Pankow

Wenn man in den vergangenen Jahren mit leitenden Mitarbeitern der Deutsche Bahn AG gesprochen hat, war man überrascht über das Ausmaß an Verärgerung und teilweise geradezu Verbitterung über die Zusammenarbeit mit der Berliner Verwaltung. In diesen Gesprächen gewann man den Eindruck, dass schon seit langem „der Haussegen schief hängt“. Es fällt einem Außenstehenden schwer zu glauben, dass dies nur auf Überheblichkeit und mangelnde Sensibilität der Deutschen Bahn Manager zurückzuführen ist.

Die Rede des Bürgermeisters auf dem SPD-Parteitag dürfte vor allem dazu geeignet gewesen sein, den an der Sinnhaftigkeit der Umzugsentscheidung zweifelnden Bahn-Managern einen letzten Motivationsschub zu geben, auch sie für die Umzugsentscheidung zu gewinnen!

Jann Fiedler, Berlin-Charlottenburg

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