Leserbriefe : Mehr Uneigennützigkeit wäre angebracht

Zur Seite 2 und Seite 3 im Tagesspiegel vom 15. Oktober

Man müsste diese Seiten an die Wand hängen, genau so, wie sie in der Zeitung erschienen sind: nebeneinander – links den aufrüttelnden Artikel über den Welthunger und rechts „Die eineinhalb-Millionen-Frage“. Was für ein Kontrast! Auf der einen Seite geht es unter anderem um das Einfordern von Rechten auf Boni und Abfindungen und auf der anderen Seite geht es um das Recht auf Leben, Ernährung und Unversehrtheit, das Millionen von Menschen nicht einfordern können. Die einen rechten um nicht immer wirklich verdientes Geld, die anderen hätten so viel mehr verdient, aber scheitern zu oft an den nicht vorhandenen Möglichkeiten. Was für ein Durchbruch wäre es, wenn wenigstens einige, die aufgrund der Umstände die Möglichkeit vor sich haben, das eigene Wohl und Recht in Anbetracht der ausufernden Not in der Welt sichtbar relativieren. Oft geht es im Leben darum, Rechte nicht in Anspruch zu nehmen. Das betrifft alle Bereiche des Lebens und des täglichen Miteinanders.

Wir brauchen Zeichen! Mutige Uneigennützigkeit, die das eigene Recht in einen großen Zusammenhang stellt, der über das Ego hinausgeht – und damit dem Ganzen dient. Das ist für jeden herausfordernd. Aber warum sollten wir nicht anfangen, im Kleinen und im Großen?

Klaus-Hendrik Herr,

Berlin-Wilmersdorf

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben