Leserbriefe : Menschenrechtsverletzungen gibt es überall

„Robert L. Bernstein: Israel war immer ein Opfer von Angriffen“ vom 21. Oktober

In dem Porträt über Robert L. Bernstein, dem Gründer von Human Rights Watch, wird dem Leser ein falsches Bild von unserer Arbeit im Nahen Osten vermittelt. Der Artikel erwähnt nicht, dass Human Rights Watch ausführlich Verstöße beider Seiten gegen das Kriegsrecht in den bewaffneten Konflikten dokumentiert hat, die Israel in den letzten Jahren geführt hat. Human Rights Watch arbeitet zurzeit in 17 Ländern des Nahen Ostens und Nord-Afrikas. Der Anteil unserer Veröffentlichungen zu Israel beträgt allerdings nur 15 Prozent der Dokumente, die wir zu der gesamten Region verfasst haben.

Bernstein spricht sich für einen Doppelstandard aus und möchte unterscheiden zwischen „offenen Gesellschaften“ und „geschlossenen Gesellschaften“. Nur Menschenrechtsverletzungen in „geschlossenen Gesellschaften“ zu untersuchen, wie Bernstein vorschlägt, würde fatale Folgen für die Glaubwürdigkeit jeder Menschenrechtsorganisation haben. Auch offene Gesellschaften verüben leider Menschenrechtsverletzungen, wie wir vor kurzem in den USA am Beispiel von Guantanamo und Abu Ghraib sehen konnten. Beide Fälle hat Human Rights Watch heftig kritisiert.

Marianne Heuwagen,

Direktorin des Deutschland-Büros

Human Rights Watch,

Berlin-Mitte

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