Leserbriefe : Missachtung aller Fakten

„Kein Problem im Sudan? – Diskutanten

im Berliner Pergamonmuseum meinen:

Der Völkermord in Darfur ist nur

eine Behauptung“ vom 2. Juli

Es handelte sich um eine einseitig zusammengesetzte Diskussionsrunde von Verteidigern der sudanesischen Regierung. Sie tritt immer mal wieder mit ihrer sektiererischen Meinung in Erscheinung.

Damit stellt sie sich gegen die einhellige Lagebewertung aller im Sudan tätigen Menschenrechts- und Hilfsorganisationen sowie gegen die übereinstimmende Meinung aller internationalen Gremien, wie sie zuletzt in Heiligendamm und auf der Sudankonferenz in Paris zum Ausdruck gekommen ist. Darüber könnte man hinweggehen, denn diese Leute werden ohnehin nicht ernst genommen. Auch die im Artikel zitierte FDP-Abgeordnete Hoff ist mit ihrer Meinung in der FDP isoliert und im Deutschen Bundestag isoliert.

Das eigentlich Skandalöse dieser Veranstaltung liegt darin, dass ein öffentliches Museum in Verantwortung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz eine solche Veranstaltung verantwortet, an der nicht ein einziger Repräsentant aus dem Bereich der Kirchen, der Menschenrechts- und Hilfsorganisationen, der UN-Organisationen oder der deutschen Regierung teilgenommen hat. Es wurde offenbar ganz bewusst einer einseitigen Meinung ein Forum gegeben. Skandalös ist auch, dass sich offenbar der Museumsdirektor Dietrich Wildung der Meinung angeschlossen hat, dass die Regierung in Khartoum „besser als ihr Ruf sei“ und die Berichte über Massaker an Zivilisten „falsch und maßlos übertrieben“ seien.

Das Museum hätte sich auf keinen Fall zum Sachwalter der menschenverachtenden Interessen der Regierung des Sudans machen dürfen unter Missachtung aller Fakten: Es gibt keine ernsthafte internationale Stellungnahme, die nicht die Hauptverantwortung der Regierung des Sudans für den „Völkermord auf Raten“ in Darfur zum Inhalt hätte.

In zahlreichen Beschlüssen des UN-Sicherheitsrats, der europäischen Union, der deutschen Regierung und in parteiübergreifenden Stellungnahmen des Deutschen Bundestages wird die sudanesische Regierung kritisiert, ohne dass die Rebellengruppen aus ihrer Verantwortung entlassen werden.

Gerhart R. Baum,

Bundesinnenminister a. D., Köln

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