Leserbriefe : Mit allen Mitteln Geld verdienen

-

Zum „Plastinarium“ in Guben

vom 20. November

Bei allem Verständnis für die sicher sehr schwere Situation der Gubener, die seit Jahren unter der Arbeitslosigkeit leiden: Wo bleibt eine ethische Verantwortung den Arbeitsplätzen gegenüber? Ist den Gubenern und allen anderen Bewunderern wirklich jedes Mittel recht, um „an Geld zu kommen“? Da wird berichtet von einem arbeitslosen Fleischer, dem seine neue Arbeit, „mit toten Körpern zu hantieren“, nichts ausmacht. Ist er sich bewusst, dass es sich hier um Menschen handelt?

Es ist wirklich erstaunlich, wie schnell sich hier ein Vergnügungspark entwickelt hat: Kaffee und Würstchen vor der Tür (netter Zusatzverdienst für den ansässigen Fleischer, der bei Arbeitslosigkeit seinerseits ja direkt einen neuen Job finden wird!). Darf ich meinerseits noch ein paar Ideen beisteuern: Jetzt zur Weihnachtszeit dann bitte auch noch Waffeln und Glühwein verkaufen! Und die Skelette, die jetzt wegen der Reminiszenz an die ehemalige Hutindustrie Gubener Hüte tragen, bekommen Nikolausmützen aufgesetzt oder Engelsflügel umgebunden. Noch ein Rentier dazugestellt, und schon kann man den Enkel (keine Altersbegrenzung für den Zugang im „Plastinarium“) davor für die Oma fotografieren lassen! Und vielleicht noch einen Geschenkgutschein für Oma (einmal Zersägen nach ihrem Tod, mit Sektempfang für die Familie).

Angeblich möchte sich niemand zum Gespött der Leute machen, wenigstens zu Lebzeiten, aber ist es uns egal, wenn wir dann nach unserem Ableben ein nettes Bildmotiv werden, zum Beispiel indem wir auf dem Beifahrersitz eines Smart sitzen und neben uns die Gäste Platz nehmen dürfen für ein Erinnerungsfoto à la „der Tod fährt mit“?

Mich erstaunt, dass sich die brandenburgische Landesregierung nicht hierzu äußert. Ich danke der evangelischen Kirche für ihren Protest! Sind sie die einzigen, die eine Vorstellung vom Wert des Menschen über den Tod hinaus haben? Wenn sich die Zukunft so darstellt, wie sie hier aussieht, dann habe ich Angst vor meinem eigenen Tod, denn ich möchte nicht als nettes Postkartenmotiv enden!

Oliver Plunien, Berlin-Schöneberg

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben