Leserbriefe : Mit der Sprache muss man rechnen

„Zehntklässler können nicht gut rechnen“ von Sigrid Kneist vom 6. September

Was ist das eigentlich: „rechnen“? Wenn man die Aufgabenstellungen des mittleren Schulabschlusses (MSA) analysiert, kann man leicht feststellen, dass der überwiegende Teil in Form von Texten gestellt wurde. Textaufgaben in Mathematik sind für die Schüler und Schülerinnen „verdichtete“ Sprache. Können sie sich im Deutschunterricht durch die hohe Redundanz der Texte die Inhalte in der Regel erschließen, kommt es bei Textaufgaben in der Mathematik häufig auf jedes Wort an. „Lesefehler“, wie sie sowohl bei Schülern mit Migrationshintergrund als auch bei Schülern aus sogenannten bildungsfernen Elternhäusern häufig vorkommen, wirken sich deshalb fatal aus.

Das schlechte Abschneiden in Mathematik liegt also nicht ausschließlich daran, dass die Zehntklässler nicht gut rechnen können, sondern erhebliche Sprachprobleme bei der Texterschließung haben.

Am Gymnasium und an der Realschule sind alle Schüler verpflichtet, am Ende der 10. Klasse an der Prüfung zum MSA teilzunehmen. An der Gesamtschule müssen das nur diejenigen Schüler, die entweder in die gymnasiale Oberstufe wechseln wollen oder in zwei der Prüfungsfächer am oberen Leistungsniveau teilnehmen. Die Schüler, die freiwillig teilgenommen haben, werden bei der Statistik nicht erfasst.

Die Hauptschule bereitet auf den Hauptschulabschluss vor. Umso höher ist ihr Erfolg einzuschätzen, dass sie 42 Prozent der teilnehmenden Schüler zum MSA führt.

Doris Dörsam, Berlin-Schöneberg

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