Leserbriefe : Mit Strom gegen Piraten

„Die Industrie der Piraten“

von Frank Bachner vom 12. April

Piraterie wandelt sich im Laufe der Zeit. Während heute überwiegend kleinere Schiffe und Jachten angegriffen werden, weil sie besser als Beute und samt Besatzung auch als Lösegeldobjekt taugen, wurden bereits Mitte der 70er Jahre vor der westafrikanischen Küste oder in der Straße von Malakka große Frachter überfallen und ausgeraubt.

In den 80er Jahren wurde die Straße von Malakka zu einer der gefährlichsten Seerouten der Welt, was sie bis heute geblieben ist. Als Kapitän eines Stückgutfrachters erinnere ich mich an mehrere nächtliche Durchfahrten dieser rund 600 Seemeilen langen Wasserstraße, während der sich die gesamte Besatzung in den Aufbauten bzw. auf der Brücke und im Maschinenraum hinter von innen zugeschweißten (!) Deckstüren aufhielt. Die Reling bzw. das Schanzkleid war unter Strom gesetzt und rund um das ganze Schiff mit eigens dafür angeschafften Stacheldraht bestückt. Die das Schiff umgebende Wasseroberfläche war mit Hochleistungssonnenbrennern hell beleuchtet und in den Ankerklüsen, über der Reling und am Heck hingen Schläuche, aus denen durch die Feuerlöschpumpe erzeugtes Hochdruckwasser schoss.

Trotz dieser Maßnahmen, die später dann für eine gewisse Zeit als beinahe verbindlich für alle Handelsschiffe galten, die durch die Straße von Malakka wollten, kam (und kommt es bis heute) in dieser Gegend immer wieder zu Überfällen, bei denen auch vor der Ermordung von Seeleuten nicht zurückgeschreckt wird.

Da muss ich dann über das Vier-Mann- Team von Herrn Probst und seine Ausrüstung doch ein wenig schmunzeln.

Hans-A. Wäscher,

Berlin-Nikolassee

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