Leserbriefe : Mitnahme-Mentalität ist weit verbreitet – auf allen Ebenen

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„Kanzler: Bürger nutzen Sozialstaat aus“ vom 18. September 2004

Bundeskanzler Schröder hat die MitnahmeMentalität der Deutschen kritisiert. Hat er dabei auch an die Ex-Bundespräsidenten Scheel, von Weizsäcker, Herzog und Rau gedacht ? Sie erhalten eine Pension in Höhe ihrer Bezüge während ihrer Amtszeiten. Von einem dieser vier Herren erwarte ich jetzt einen Ruck: Er ist mit 60 Prozent zufrieden.

Edwin Schmiedeberg, Berlin-Lichterfelde

Es ist schon erstaunlich, dass endlich ein Regierungsverantwortlicher ausspricht, was alle Bürger dieses Landes wissen. Nämlich, dass der Sozialstaat von allen schamlos ausgenutzt wird. Es ist falsch, wenn festgestellt wird, dass die Missbrauchsfälle jährlich steigen, sie sind seit ewigen Zeiten erschreckend gleich hoch. Richtig ist, dass von Jahr zu Jahr mehr kontrolliert wird, und damit steigt zwangsläufig die Zahl der Entdeckungen. Würde der Staat die Taten konsequent verfolgen, hätten wir in Deutschland kaum noch Sozialhilfebezieher. Man könnte von heute auf morgen mindestens 20 Prozent der Taxifahrer, Bauarbeiter, Kellner, Zettelverteiler usw. usw. aus dem Verkehr ziehen.

Bernd Wegner, Berlin-Treptow

Der Kanzler hat Recht! Aber nicht nur der Sozialstaat, der Staat wird geplündert. Die Mitnahme-Mentalität fängt ganz oben an, beim Kanzler selbst. Für seine „Reisen“ innerhalb Deutschlands benutzt er einen Bundeswehr-Hubschrauber, das denkbar teuerste Fortbewegungsmittel. Ein Tross von Bediensteten und Sicherheitsbeamten bläht den Finanzbedarf des Bundeskanzleramtes gewaltig auf. All das haben hoch, zu hoch bezahlte Beamte sich ausgedacht, und die Parlamentarier haben es zum Gesetz erhoben. Für die Empfänger von Sozialleistungen haben sie die Türen zu der vom Kanzler gerügten „Mitnahme“ in naiver Weise weit geöffnet, und nun wundert man sich über den Missbrauch.

Dr. Heinrich J. Pruemper, Berlin-Frohnau

„Bischof Huber: Hartz-Reform schreckt ab und fördert nicht“ vom 21. September 2004

Es ist unglaublich, wie Bischof Huber davon ausgeht, Arbeitgeber sollten neue Arbeitsverhältnisse so ausgestalten, dass einzustellende Arbeitnehmer nebenher immer noch möglichst viel aus öffentlichen Kassen abgreifen können. Herr Huber redet jener Mitnahmementalität das Wort, die Schröder kritisiert hat.

Thomas Hasseier, Berlin-Zehlendorf

„Politiker: Raffgier eher oben als unten“ vom 19. September 2004

Dieser Kanzler der Bosse beklagt sich über die Mitnahme-Mentalität und hat mit seinen Verbalattacken nur die Arbeitslosen, Sozialhilfeempfänger und Kreise „bis weit in den Mittelstand“ im Auge. Dieser Kanzler, der nicht mit gleicher Militanz, die er bei der Diffamierung obiger Gruppen an den Tag legt, gegen die Mitnahme-Mentalität aus Teilen der Industrie, der Wirtschaft und auch von Politikern vorgeht, zielt auf Mücken und schont die Elefanten.

Rainer Baldowski, Berlin-Zehlendorf

Kanzler Schröder regt sich über die Raffgiermentalität auf, die bis weit in die Mittelschicht geht, staatliche Leistungen mitzunehmen, wo man sie kriegen kann! Es war oft genug die politische Oberschicht, die dem kleinen Mann und der Mittelschicht vormachte, wie man es eigentlich nicht machen darf. Mir fällt da gleich ein Haufen Namen ein, die diese Raffgier hemmungslos auf Kosten der Steuerzahler vormachten, ob es Bonusmeilen oder Dienstwagen waren. Ich spreche der Raffgier ausdrücklich nicht das Wort, aber ich verurteile, dass der Kanzler so tut, als ob die da unten sich schämen sollten.

Paul Schmitz, Bad Münstereifel

„Kanzler: Bürger nutzen Sozialstaat aus“ vom 18. September 2004

Wenn ein Unternehmer seine Frau einstellt, so zahlt er die gesetzlichen Beiträge, das gemeinsame Einkommen wird ebenfalls besteuert, es ist also vollkommen legal. Dem Staat geht erst einmal nichts verloren. So könnte man jeden anklagen, der seine Arbeitslosigkeit herauszögert. Wo bleibt denn dann die Schelte für die Beamten, wer verzichtet von denen freiwillig auf Leistungen? Jeder höhere Beamte bekommt mehr Pension, als je ein Arbeitnehmer bekommen kann, selbst wenn er den Höchstbetrag einzahlt. Was wird für ein Aufstand gemacht, wenn Beamte versetzt werden? Wenn schon der Staat geplündert wird, dann doch nicht nur von Selbstständigen oder Arbeitslosen, sondern von allen Bevölkerungsschichten, die „Staatsdiener“ inbegriffen.

Ludwig Draser, Berlin-Kreuzberg

Schröder spricht von einer MitnahmeMentalität, die bis in die Mittelschichten hineinreiche. Ungeklärt ist die Frage, ob er die Sache aus der Vogelperspektive beispielsweise von Herrn Esser und Herrn Ackermann betrachtet oder aus der Froschperspektive einer Kassiererin, die demnächst arbeitslos wird.

Otto Bloch, Berlin-Charlottenburg

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