Leserbriefe : Moderne Verelendung

„Ein unmoralisches Angebot / ,Erwachsen auf Probe‘, ,DSDS‘, die Klum-Show: Das Privatfernsehen verdirbt Kinder und Jugendliche“ von Tissy Bruns vom 31. Mai

Endlich, endlich wird mal auf eindrucksvolle Weise die moderne Verelendung beschrieben, ohne moralinsaures Polarisieren. Die fragwürdigen Impulse, die durch solche Formate an Kinder und Jugendliche gesendet werden, können nicht von allen als „Fake“ interpretiert werden, wenn entsprechende Anleitung und Aufklärung vom Elternhaus und/oder Lehrern fehlt.

Klaudia Spickermann, Berlin-Steglitz

Das Entblößen hat doch schon lange in die Erwachsenenwelt Eingang gefunden. Bei Events im Hochseilwald, Incentives und Assessment-Centern wird eine fragwürdige Ideologie von Leistung dem früheren Wert Unternehmenskultur übergestülpt. Anything goes: Selbst ernannte Coaches werden von halbgebildeten Eventmanagern auf das wertvolle Humankapital eines Unternehmens losgelassen. Widerstand ist zwecklos. Er schadet der Karriere. Was nicht passt, wird passend gemacht.

Das Privatfernsehen macht gerne mit. Um die schwarzen Löcher zwischen den Werbeblöcken zu füllen, ist alles recht. RTL, Pro 7 und Co. sind keine Avantgarde des schlechten Geschmacks. Sie verkaufen mit einer großen Arroganz das, was längst schon mitten in der Geselschaft angekommen ist. Leistung muss sich wieder lohnen. Das war der Wahlspruch hinter dem der Mensch zur Ware verkommt.

Andreas Schäfer, Solingen

Mit Freude und Genugtuung haben meine Frau und ich den Artikel von Frau Bruns gelesen. Er findet unsere volle Zustimmung. Es gibt kein Tabu mehr. Alle persönlichen und intimen Dinge werden öffentlich vermarktet.

Das trifft allerdings nicht nur auf die privaten Sender zu. Leider machen die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender keine Ausnahme. Zum Beispiel gibt es kaum einen Krimi, in dem nicht eine eindeutige Bettszenen gezeigt werden. Und das auch im Vorabendprogramm, wo Kinder noch zuschauen können. Wir fragen uns, ist das auch wegen der Einschaltquote? Dann ist in diesem Punkt kein Unterschied zwischen privaten und öffentlich rechtlichem Fernsehen zu erkennen.

Johannes Ulbig, Berlin-Rudow

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