Leserbriefe : Möglichst nicht mehr zum Arzt gehen

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Betrifft: „Versicherte zahlen Gesundheitsreform“ vom 22. Juli 2003

Wir sind empört, wie hier das „Wahlvolk“ wieder einmal für dumm verkauft wird. Die Ankündigung, die Krankenkassenbeiträge auf 13 Prozent zu senken, ist für die betroffenen Bürger und potenziellen Patienten angesichts der auf sie zukommenden Kosten, die aus eigener Tasche zu zahlen sind, eine Vertuschung der tatsächlichen Beweggründe. Gesenkt werden über den niedrigeren Prozentsatz einseitig die Kosten für die Arbeitgeber. Wie auch bei der Steuerreform werden wiederum die Lobbyisten geschont und die Last wird auf „die Kleinen“ verlagert.

Die angekündigten Maßnahmen (z.B. zehn Euro je Quartal für den Arztbesuch und Streichung der Zahnersatzleistungen) sind ausschließlich einfaches Umverteilen zu Lasten der Patienten. Die Behauptung der Gesundheitsministerin Schmidt, dass dies die Qualität der gesundheitlichen Versorgung verbessert, ist politische Schönfärberei. Der jetzt vorgelegte Kompromiss ist mal wieder Stückwerk und hat mit einer tatsächlichen (und dringend notwendigen) Strukturreform auch nicht das Geringste zu tun! Eine Gesundheitsreform, die diese Bezeichnung verdiente, müsste zum Beispiel beinhalten:

die seit Jahren geforderte Positivliste für Medikamente,

die Förderung von PräventionsMaßnahmen,

eine bessere Vergütung ärztlicher Beratungsgespräche,

Maßnahmen zur Vermeidung von „Medikamentenmüll“ (Mengenweise verordnete Medikamente, die aufgrund fehlender Transparenz nicht verbraucht werden).

Wir sind sicher, dass die jetzigen Entscheidungen langfristig kontraproduktiv sind, da in vielen Fällen Patienten möglichst spät zum Arzt gehen werden. Dies bedeutet, dass frühzeitige Behandlung, Vorsorgeuntersuchungen und Gesundheitsprophylaxe zurückgehen werden. Dies wird zwangsläufig zu höheren Folgekosten führen.

Silvia Meurer und Detlev Kober, Berlin-Lichterfelde

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