Leserbriefe : MoMA eher öffnen

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Betrifft: „Vor der Kunst kommt die Geduld“ vom 8./9. April 2004

O je, wer hat sich det denn ausjedacht? Noch nie im Leben hab icke warten müssen volle Stunden fünf, um in een Heilichtum zu kommen. Und icke bin vor siebzig Jahren in de Charité jeborn und bin sechs Stunden im Auto jefahrn von Leverkusen wie jedet Jahr. Die janze Kreutzersonate von Tolstoj hab ick ausjelesen, denn war ick drin. Und denn konnt ick endlich zwei Stunden lang, aber doch nu schon erschöpft, die Kunst jenießen. Mensch Kinders, hat Berlin denn keene Ideen mehr, wie man der Flut der Kunstbeflissenen anders Herr wern kann? Et jibbt so vülle hier, die jerne arbeiten wolln; macht die neue Nationalgalerie schon um achte uff, ooch mal ’ne janze Nacht, stellt doch noch’n Kassenhäuschen hin und setzt mehr Helfer in die Jardrobe; denn Jeld kriegter doch jenuch bei diese Menschenströme. Ett soll nu keener mehr fünf Stunden vor de Kunst dastehen, det wünsch ick mir nun doch so sehr.

Ilse PfauderJentsch, Leverkusen

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